Es wurde schon jede Menge Arbeit gemacht. Keine Absturzgefahr mehr
Die Architektur wird haufig als „Steinsymphonie“ oder „versteinerte Musik“ bezeichnet. Und die besten Denkmaler der Geschichte der Baukunst kann man zurecht als „Akkorde“ dieser Symphonie bezeichnen. Sie klingen immer noch erhaben und feierlich und ruhmen das Meisterwerk und den Verstand ihrer Schopfer.
Es gibt solche „Akkorde“ auch unter den Befestigungsseinrichtungen im Kaliningrader Gebiet. Das sind Bastionen, Wallschilder, Turme, Festungstore und Forts. Ihre konstruktiven und architektonischen Formen kamen zu uns aus einer fernen Vergangenheit und wurden in unseren Tagen zu Denkmalern des Ingenieur-Gedankenguts, der Baukunst, Architektur und Geschichte mit ihren eigenen Stilbesonderheiten aus verschiedenen Epochen.
Aus der Tiefe
der Jahrhunderte
Seit alten Zeiten gibt es einen Spruch, der besagt, dass Siege stets durch Disziplin, Heldenmut und Befestigungsanlagen (Fortifikation) errungen wurden. Die Entwicklung der Fortifikation wurde immer durch Theater und Formen der Kriegsoperationen, Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Militardoktrinen des Staates beeinflusst, aber das Entscheidende war stets ihre „Konkurrenz“ mit der Artillerie.
Seit der Entwicklung der Gie?erei und der Entstehung von Haubitzen, Handrohren aus Eisen und Belagerungsgeraten, Brenn- und Sprenggeschossen brauchte man zu Beginn des XVII. Jahrhunderts neue Befestigungsanlagen, die gegen das Feuer der Artillerie gewappnet waren.
Als Ansto? zur Grundung der Festung Konigsberg diente die Invasion der schwedischen Armee des Konigs Gustav Adolf nach Preu?en. Das Gebiet des neutralen Preu?ens wurde damals als Losung des schwedisch- polnischen Konfliktes fur den Besitz der Ostsee genutzt.
Die Eroberung Pillaus und die allmahliche Erweiterung des Aufmarschgebietes mit der Annaherung der Grenzen zu Konigsberg machte es notwendig, sich um die eigene Sicherheit des Herzogtums Preu?ens zu kummern, an dessen Steuer der Kurfurst Georg Wilhelm (1619-1640) stand.
Es sei zu bemerken, dass das XVII. Jahrhundert eine Blutezeit der Mathematik und Naturwissenschaften in Europa war und die ersten Tragwerksplaner der Festungen waren naturlich Mathematiker. Deshalb wurde damals vom Professor der Mathematik an der Konigsberger Universitat, dem Astronomen Johann Strau? (1590-1630), das technische Projekt des Bastion-Verteidigungs-Mauerringes um die Altstadt, Lobenicht, Kneiphof und fur die Umgebung ausgearbeitet.
Die Erbauer der Walle waren Oberst Graf Abraham von Dohna (1579-1631) und der Landvermesser Konrad Burck (? bis 1652). Etwa im Jahre 1640 war der Befestigungsgurtel fertig. Insgesamt wurden 26 Bastionen, 8 Halbbastionen und 9 Haupttore gebaut. Die Befestigungsringe umschlossen die Stadt in einer Lange von 15 Kilometern.
Bastionen stellten funfeckige Befestigungsbauten dar, die aus dem Hauptwall hervorsprangen und miteinander durch Kurtinen in einer Lange von 250 bis 300 Meter verbunden waren. Das Projekt von J. Strau? wurde ins Leben gerufen.
Die Zitadelle in der Fassung aus edlen Mineralien
Der erste Befestigungsgurtel um Konigsberg schien bis Mitte des XVII. Jahrhunderts seine Sicherheit zu gewahrleisten. Allerdings war es spater nicht mehr so. Es fehlte der wichtige Bestandteil der Festung, namlich die Zitadelle, die als letzter Stutzpunkt im Falle einer Eroberung als Hauptbefestigung gegen den Feind dienen sollte.
Das Projekt einer Zitadelle wurde vom Hofmathematiker Christian Otter 1652 entwickelt. Bei der Wahl des Ortes fur den Bau der Zitadelle entstand ein Konflikt zwischen dem Projektanten und dem Kurfursten Friedrich Wilhelm. An der von Ch. Otter ausgewahlten Stelle befand sich namlich das Landeshaus des Kurfursten. Der Konflikt wurde jedoch konstruktiv gelost. Der Kurfurst erlaubte die Bauarbeiten nach dem Motto: „Lieber das kurfurstliche Landeshaus opfern, als den Furstenthron verlieren“.
Die Zitadelle namens Friedrichsburg, die im Jahre 1657 an der westlichen Festungsgrenze, an der Stelle ihres Schnittpunktes mit dem Pregel (heute Bezirk der Warenstation) gebaut wurde, sollte unter anderem als Kontrollpunkt der Wasserstra?e dienen. Die Zitadelle war quadratisch mit eckigen Steinbastionen, die die Namen der Edelsteine trugen: Smaragd, Rubin, Diamant und Perle.
Der Zentralbau der Zitadelle war von einem Wassergraben umgeben, der mit dem Pregel verbunden war. In ihrem Innenhof wurden zu verschiedenen Zeiten Kasernen, Lagerhauser, Arsenale und Werkstatten errichtet; ebenfalls wurden eine Komendatur, ein Wachraum, eine Kirche und ein Gefangnis gebaut. Mit dem Bau der Zitadelle konnte nun Konigsberg zurecht als Festung bezeichnet werden.
Im Jahre 1697 besuchte Peter I. unter dem Decknamen eines Unteroffiziers vom Preobrashenski-Regiment Peter Michajlov Konigsberg. Neben der Seefahrt und dem Schiffsbau widmete Peter I. seine gro?e Aufmerksamkeit den Befestigungen in den Zitadellen Friedrichsburg und Pillau. Nicht zufallig begann nach seiner Ruckkehr von der Auslandstour auf der Insel Kotlin am Finnischen Meerbusen der Bau der Forts nach dem Vorbild der preu?ischen Zitadellen.
Das Ergebnis der Untersuchung des Studienprozesses an der Konigsberger Fortifikationsschule durch Peter I. war die Errichtung der ersten Militar-Ingenieur-Bildungseinrichtung in Russland.
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Die Zitadelle hatte eine Quadrat-Form mit Bollwerken aus Stein und Erde an den Ecken, die wie Edelsteine Smaragd, Rubin, Diamant, Perlen genannt wurden
Die Zitadelle Friedrichsburg war nie bis zum Zweiten Weltkrieg im Kriegszustand, sie war aber manchmal komplett in Kriegsbereitschaft. Das geschah zur Zeit der schwedisch-polnischen Kriege wahrend des XVII. bis XVIII. Jahrhundert, der Anfangsperiode des Ersten Weltkrieges und der Kriegsoperationen der Roten Armee in Polen im Jahre 1920.
Und doch wurde oftmals mit Kanonen von der Zitadelle Friedrichsburg geschossen, allerdings nicht mit scharfer Munition, sondern nur mit Platzpatronen. Sie dienten als Salutschusse bei der Kronung der Konige, bei feierlichen Jubilaen des Staates und bei der Weihe des Pregels zur Zeit des Siebenjahrigen Krieges.
Die Zitadelle Friedrichsburg (Mitte des XIX. Jahrhunderts als Fort genannt) existierte bis zum Jahre 1910. In diesem Jahr konnte die Stadt das Fort beim Militaramt kaufen und wollte das Gebiet fur den Ausbau der Eisenbahn nutzen. Bastionen und Kurtinen (Walle zwischen den Bastionen) wurden beseitigt und die Wassergraben zugeschuttet. Das Friedrichsburger Tor (nachgebaut Mitte des XIX. Jahrhunderts) blieb als Denkmal der Geschichte, Kultur und Architektur fur die Nachkommen erhalten.
In der Nachkriegszeit geriet das Tor trotz seiner Anerkennung als Denkmal der Architektur in einen sehr schlechten Zustand. Die Frakturaufschrift „Friedrichsburger Tor, Architektur-Denkmal des XVII. Jahrhunderts“ konnte das Tor auch nicht retten. Dass man sich dabei um 200 Jahre verrechnete (es ist namlich das Denkmal des XIX. Jahrhunderts), zeugt von der Unkenntnis der Geschichte des Landes und seiner Bauten.
Im Moment wird das Friedrichsburger Tor renoviert und in Zukunft als Filiale des Weltozean-Museums genutzt werden.
(Zitadelle Friedrichsburg) Avenir Owsjanov, Hauptreferent fur Denkmalschutz im Kaliningrader Gebiet
Am 30. Januar wurde an der Ostseeküste in Jantarny ein Denkmal für die Opfer des Holocaust in Palmnicken im Jahre 1945 eingeweiht.
Vor 66 Jahren, nachts am 31. Januar, fand an der Ostseeküste in der Nähe vom Bernsteintagebau „Anna“ das letzte Juden-Massaker statt. Etwa 7.000 Häftlinge verließen das KZ Stutthof und seine Außenlager zum Todesmarsch. Die Hälfte starb unterwegs, weitere starben durch Gewehrkugeln und der Rest wurde bei Palmnicken ins eiskalte Meer gestrieben und ertrank. Nur 13 Menschen überlebten. Sie wurden von den Einwohnern der Stadt versteckt und konnten dadurch gerettet werden.
Das 10 m hohe Denkmal wurde neben einer Gedenktafel aufgestellt, die bereits im Jahre 2000 eingeweiht wurde. Vier Hände mit tätowierten Lagernummern strecken sich aus dem Wasser des Meeres zum Himmel. Das sind echte Nummern von Häftlingen, die hier zum Ende des Zweiten Weltkrieges starben. „Sie strecken ihre Hände aus dem Wasser hoch und versuchen verzweifelt, sich am Leben festzuklammern“, erklärt Frank Meisler die Grundidee. Er ist zusammen mit dem Bildhauer Arie Ovadia der Schöpfer des Monuments.
An der Trauerzeremonie nahmen viele berühmte Persönlichkeiten teil: Kaliningrads Gouverneur Nikolai Zukanov mit hohen Beamten, der Oberrabbiner Russlands, Berl Lasar, der Generalkonsul Deutschlands, Aristide Fenster, der Generalkonsul Litauens, Vaclav Stankevic sowie andere Politiker, Diplomaten und Vertreter öffentlicher Organisationen.
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Der deutsche Generalkonsul Aristide Fenster in Kaliningrad:
“Das Gedenken an die Opfer ist eine erinnerungspolitische Aufgabe für mehrere Nationen”
Einen besonderen Platz nahm unter ihnen Martin Bergau ein. Er war als Augenzeuge der Tragödie erst 16 Jahre alt. Bergau geriet später in russische Gefangenschaft und verarbeitete seine Erlebnisse in einem Buch. Dieses Buch geriet nach 1990 in die Hände der Kaliningrader Journalisten. Mit ihrer Hilfe wurde die Geschichte von dem Verbrechen in Palmnicken aufgerollt und das Andenken an seine Opfer verewigt.
„Ich dachte schon damals in der Gefangenschaft daran, wie ich es weitererzählen werde, wenn hier alles vorbei ist und ich rauskomme“, erinnert sich Martin Bergau. „Ich wollte es nicht nur meinen Kindern erzählen, sondern auch den Kindern in der Schule. Und schließlich war der Wunsch da, ein Buch darüber zu schreiben, damit es allen bekannt wird. Ich fühlte mich verpflichtet, es zu tun, denn ich bin selber Deutscher, erzogen in einem strengen, christlichen Geist.“
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Zwischen den vielen Kränzen sind auch die Kränze von den Bewohnern des ehemaligen Ostpreußen und der Bundesrepublik Deutschland
Die Redner sprachen über die Vergangenheit und unsere Erinnerung. „Diejenigen, die keine Vergangenheit haben, haben auch keine Zukunft“, sagte der Gouverneur Zukanov. Diese Worte drücken die gesamte Stimmung aus. Nach dem Gebet wurden bei Geigenmusik Blumen zum Monument gelegt, an dessen Sockel brennende Lichter standen.
Zur Information:
Frank Meisler ist ein berühmter Monumentalist. Die bekanntesten Werke von ihm sind: Denkmal für Ben Gurion in Israel, Columbus-Denkmal in Madrid, seine Skulpturengruppen im Shakespear-Theatre in Stratford-upon-Avon. Sehr berühmt sind seine Holocaust-Mahnmale in Europa und Amerika.
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 10. April 2011 um 11:32 Uhr
Ein Bewohner Kaliningrads rettet seit 20 Jahren das Fort „Stein“
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Die einen wohnen in einer Wohnung, andere in einer Villa. Wieder andere können ein Schloss als ihren Wohnsitz bezeichnen. Aber der Kaliningrader Stanislav Lauruschonis lebt in einem Fort… In einem richtigen Königsberger Fort, nämlich im Fort №1 „Stein“ (Stein am Lauther Mühlenteich), das sich hinter Zweigen von großen Bäumen vor den Augen der Kraftfahrer auf der Straße Kaliningrad-Vilnius versteckt.
Und er ist kein komischer Bewohner des „Geschichts- und Kulturdenkmals“. Stanislav ist sein Retter, Erneuerer und fürsorglicher Freund. Und wie bei einem wahren Freund, ist seine Hilfe selbstlos.
Vorbestimmung
Am 10. Juni 2011 wird das Jubiläum gefeiert. Genau 20 Jahre ist es her, seitdem sich die Wege des jungen Stanislav Lauruschonis und die des mittelalterlichen (nach dem architektonischen Maße) Forts „Stein“ kreuzten. War das ein Zufall?
Stanislav selbst findet, dass dieses Treffen zum größten Teil vorbestimmt war. 1979 zog er mit seinen Eltern nach Kaliningrad um. Sie wohnten in der Nähe deutscher Häuser, auf derDubinin-Straße (Brunneck-Allee, Stadtteil Juditten). Diese ganze Atmosphäre des alten Königsbergs begeisterte durch seine ungewöhnliche Architektur, schöne Bäume und Sträucher sowie seine Gemütlichkeit. Stanislav entwickelte das Interesse an der damals halbverbotenen Geschichte Königsbergs. Er begann zielgerichtet die Stadt zu erkunden, erhaltene Kirchenruinen und andere alte Gebäude zu fotografieren.
Im Jahre 1987 wurde in der Zeit der „Perestroika“ eine Jugendbewegung unter seiner aktiven Mitarbeit namens „Wiedergeburt“gegründet. Man versammelte sich zum Austausch der Informationen über die Geschichte der Region, um ihr wieder einen würdigen Platz zu gewähren.
Dann trat das Gesetz über die Kooperation in Kraft. Es wurde möglich, ein Geschäft zu betreiben. 1988 gründete Stanislav mit seinen Geschäftspartnern die Genossenschaft „Die alte Stadt“. Sie beschlossen,Geld zu verdienen und es in die Stadtdenkmäler der Geschichte und Architektur zu investieren. Lauruschonis findet das Ganze jetzt etwas naiv, aber sie waren damals sehr engagiert.
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Es gelang ihnen, das Geld ziemlich schnell zu verdienen. Im Rahmen derEntwicklung der Genossenschaft bestandBedarf an Lagerhallen. Zu dieser Zeit vermietete ein Staatsunternehmen für den Gemüse- und Obsthandel zahlreiche Lagerräume. Junge Geschäftsmänner schauten sich einige davon an. Aber sobald sie dieses Fort sahen, das in ein Gemüselager umgewandelt war, begriffen sie: „Ja, das ist es!“ Seitdem ist das Leben von Stanislav Lauroschonis fest mit dem Fort №1 verbunden.
Die Wiedergeburt des Forts „Stein“ fing sofort an. Es wurde schnell viel Geld investiert. Die Elektroinstallation wurde überprüft, Überwachungskameras installiert, Wächter eingestellt und ein Metallzaun um das Fort errichtet. Man hatte den Endruck, alles würde wie am Schnürchen laufen.
Aber… In die Geschichte der Wiedergeburt des Königsberger Denkmalsmischte sich die Geschichte Russlands ein, in der die Jahre ab 1990 als „schwierig“ bezeichnet werden. Die plötzlich auf das LandherabstürzendeMarktlawine und der heftige Rückgang des Lebensniveaus der Bevölkerung trugen zur Steigerung der Kriminalität bei. Die Regierung kam nicht mit dem Problem klar oder nahm sogar noch die Banditen und kriminellen Elemente unter ihre Fittiche, obwohl sie erfolgreiche Unternehmer beraubten.
Die Genossenschaft wurde also beraubt und ruiniert. Die Gerichtsbeschlüsse zu Gunsten der „Alten Stadt“ wurden nicht vollzogen. Der vierfache Vater musste die Wohnung und einige Sachen verkaufen, damit die Familie überleben konnte. So wurde das Fort „Stein“ zu einem Zufluchtsort und Zuhause für Stanislav, wo er bereits seit 1994 mit seiner Familie wohnt.
Mit eigenen Händen
Es ist bemerkenswert, dass selbst solch eine harte Prüfung Lauroschonis nicht daran hinderte, die Idee aufzugeben. Er setzte die Wiedergeburt „seines“ Forts fort.
Wenn man sich die alten und neuen Fotos anschaut, so ist es schwer, sich vorzustellen, dass das alles von 2 oder 3 Menschen auf die Beine gestellt wurde. Das zwei Hektar große Gebiet ist sauber, das Dickicht von wuchernden Bäumen und wilden Sträuchern ist weg. Ein gepflegter Park empfängt heute die Besucher.
Die Kasematten des Forts (5,5 Tausend Quadratkilometer) sind aufgeräumt. Sie standen 1,5 Meter tief unter Wasser, das man nicht abpumpen konnte. Zwei Jahre lang musste man ohne Karten und Pläne suchen und dann mit den eigenen Händen das Entwässerungssystem desGrabens reinigen: 350 Meter Rohre mit zwei tiefen Brunnen voller Schmutz.
Diese Geschichte, die aufzahlreichen Fotos dokumentiert ist, hören wir mit großem Interesse und Erstaunen in der Redaktion. Auf die Frage, warum man keine speziellen technischen Geräte zur Reinigung der Rohre einsetzte, antwortet Stanislav mit einem traurigen Lächeln: „Die Miete einer solchen Einrichtung kostet 100 Euro pro Stunde. Wieviel hätte man denn für die ganze Arbeit zahlen müssen? Wir verfügen nicht über so viel Geld, aber die Arbeit muss gemacht werden. Deshalb machen wir alles, was wir können, mit eigenen Händen.
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So wurde auch eine Menge Müll und Schmutz aus dentrocken gelegten Räumen mit eigenen Händen entfernt. Das Gebiet wurde aufgeräumt. Regelmäßig wird auf einer Fläche von zwei Hektar das Gras gemäht. Im Herbst wird Laub geharkt. Wissen Sie, wie viel Zeit man zu zweit braucht, um diese Fläche vom Laub zu beräumen?Das dauert einen ganzen Monat bei täglichem Einsatz.
Auch Fenster, Türen und Böden werden mit eigenen Händen instandgesetzt. Als 2001 der Strom abgeschaltet wurde, arbeitete man im Kerzenschein und beim spärlichen Licht einerPetroleumlampe. Dann wurde ein kleiner Stromerzeuger gekauft. Heute gibt es einen leistungsstarken Benzingenerator, der von Stanislav installiert wurde. Dieser versorgt alle Stromabnehmer und darüber hinaus schafft er auch eine ausreichende Beleuchtungdes für die Besucher geöffneten Fortflügels.
Beschützer des historischen Erbes
„KA“: Was können die Besucher sehen und hören und wie kann das Fort zu einem wirtschaftlich lukrativen Touristenobjekt werden?
"Wir betrachten uns selbst nicht als eine Touristenorganisation, die möglichst viele Besucher braucht, antwortet Stanislav Lauroschonis. – Wir haben eine entsprechende Tätigkeitsform: Öffentlicher Fonds „Fort №1“Stein“. Wir bezeichnen uns als Beschützer des historischen Erbes. Wir arbeiten für diejenigen, die es anfassen und kennenlernen möchten.
Im Laufe der Zeit veränderte sich die Arbeitsideologie im Fort. Am Anfang wollten wir alles möglichst authentisch wiederherstellen. Aber jetzt folgen wir dem Motto: Man soll nicht schaden! Man soll das Ganze nicht in Eile machen, dann macht man vieles nämlich zweimal. Ich finde, es ist richtige, das Fort in dem heutigen Zustand zu erhalten.
In der letzten Zeit wurden wir für die Menschen offener, denn wir möchten ihnen die Möglichkeit geben, die reale Geschichte zu erleben. An der Tafel am Tor steht, dass es das Fort №1 namens „Stein“ ist, dann folgt das Baujahr und der Hinweis, dass hier einDenkmal der Geschichte und Architektur ist und dass für den Schutz und die Nutzung der Öffentliche Fonds „Fort №1 Stein“ verantwortlich ist. Sonntags ist der Eintritt zur eigenen Besichtigung für alle frei und werktags finden Führungen nach telefonischer Absprache statt.“
„KA“: Gibt es viele Interessenten?
„Mehr als3.000 Besucher pro Jahr. Für zwei Führer, die gleichzeitig noch den Haushalt erledigen müssen, ist es eine beachtliche Anzahl.
Manchmal trifft man interessante Leute. Beispielsweise den Sohn des Majors von Heisel. Sein Vater war derletzte Kommandant des Forts №1 und ist in den Kämpfen beim Sturm auf Königsberg gefallen. Gleich 1992, nachdem für Ausländer das Kaliningrader Gebiet geöffnet wurde,kamsein Sohn an diesen Ort. Bei seinem ersten Aufenthalt wohnte er im Hotel, das nur wenige Minuten vom Fort entfernt lag. Er fragte alle nach dem Fort, aber keiner konnte ihm helfen. Von Heisel fandes erst beim dritten oder vierten Besuch im Jahre 2007.“
Das erzählen, was wenige wissen
„KA“:Was können die Besucher über das Fort erfahren?
„In Wirklichkeit wissen wenige, wie die Forts damals aufgebaut waren und wie sie funktionierten. Diese Informationen sammelten wir über eine lange Zeit. Dabei halfen uns Bücher, Dokumente, aber auch Zeugenberichte, um die Authentizität herzustellen. Über das Fort wird nicht nur von Deutschen, sondern auch von Russen erzählt, die hier häufig in der Nachkriegszeit waren.
Die Führung beginnen wir immer damit, wann, wozu und von wem das Fort gebaut wurde. Wir zeigen, wo sich die Kasernen, Waffenlager, das Arsenal, die Aufzüge für dieGeschosse, Artilleriepositionen befanden usw. Das Fort war schon immer ständigen Veränderungen ausgesetzt: Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts und nach1940.
Aber auch die Funktion des Forts veränderte sich. Laut dem Bericht des Sohnes eines Kommandanten des Forts war hier in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Gefängnis.
Das Fort verfügt auch über eine Nachkriegsgeschichte. Außerdem gibt es auch die Umgebung mit einer schönen Landschaft, wovon man auch einiges berichten kann. Schließlich stellen die Besucher viele Fragen, beispielsweise ob es früher um das Fort herum Bäume gab, wann und von wem sie gepflanzt wurden. Und diese Fragen gilt es zu beantworten.“
„KA“:Ist es ein rentables Geschäft?
„Der Eintritt ist frei. Besucher spenden nach Möglichkeit. Aber das reicht nicht einmal, das Fort im heutigen Zustand zu erhalten. Wir verdienen das nötige Geld anderswo.
Vielleicht könnte man ein wirtschaftlich effektiveres Touristengeschäft organisieren, aber wir sind nur noch zu zweit. Wir können nicht planen, da wir nicht sicher sind, ob wir morgen noch Mieter des Forts sein dürfen.“
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Stabile Ungewissheit
„KA“: Und was ist der Grund?
„Ich bezeichne unsere Lage während der zurückliegenden 20 Jahre als „Situation der stabilen Ungewissheit“. Die Beamten üben Druck auf uns aus. Solange alles in Ruinen liegt, interessiert es keinen. Aber sobald man anfängt, es in Ordnung zu bringen, denkt die Regierung daran, dass das Objekt gewinnbringend sein könnte. Die einen wollen es versteuern, die anderen denken an ihre eigene Tasche. Man könnte schließlich ein Restaurant eröffnen und damit Geld verdienen. Pläne gibt es viele. Das ist der Grund für die regelmäßigen Konflikte.
Sie fragen sich vielleicht, wozu ich so viele Bilder mache. Ich muss nämlich ständig den Beamten beweisen, dass wir das alles selbst gemacht haben.
Im Jahre 2009 wurde uns das Fort №1 weggenommen und an eine kommerzielle Organisation versteigert, die 30 Millionen Euro Investitionen versprach. Ich sagte den Beamten ganz direkt, dass diese Unternehmer nicht daran interessiert sind, das Fort als Denkmal zu erhalten! Man hörte mir nicht zu. Aber dann entpuppten sich diese grandiosen Investitionspläneals Luftschlösser.
Der Konflikt ist beigelegt. Aber ich denke, erst einmal nur bis zum nächsten sogenannten Investor.“
„KA“: Was erhoffen Sie sich?
„Diese Geschichte brachte mich auf den Gedanken, dass dem Fort №1 keine Gefahr mehr drohen könnte.Verschwinden wird es nicht, auch wenn es uns weggenommen würde. Ich muss weiterkommen, wo ich mein Wissen und meineErfahrungen anwenden kann, die ich während der 20 Jahre gesammelt habe. Ich könnte mich mit dem neuen Fort beschäftigen. Ich fuhr alle Festungen in der Region ab und mir gelang es, mit dem Benutzer des Forts №2 „Bronsart bei Mandein“ in Kontakt zu treten. Nun arbeiten wir zusammen.
Wie ich schon sagte, verschwanden die „Investoren“ des Forts №1 inzwischen. So beschäftigen wir uns nun zu dritt mit beiden Forts.“
„KA“: Und Sie habengenug Kraft dafür?
„In einem Jahr räumten wir das gesamte Gelände von „Bonsart“ auf, bauten das Tor, legten das Stromkabel, schafften Ordnung in dem rechten Flügel, richteten ein Zimmer ein und begannen den Kampf für die Zukunft des Forts: Wir schrieben an alle Behörden über die Verstöße beim Legen der Starkstromleitungen durch das gesamte Gebiet.“
„Ich möchte nicht gern das Zuhause“ verlassen“
„KA“: Interessiert sich die Regierung nicht für Ihre Arbeit? Der militär-geschichtliche Tourismus ist doch eine sich besonders gut entwickelnde Richtung und Königsberg ist eine der bekanntesten und größten Festungen Europas.
"Das Thema ist aktuell. Es wurde versucht, diese Idee zu verwirklichen, vielleicht gibt es diese Versuche immer noch. Es gibt ein internationales Programm „Baltic Fort Road“. Ihre Initiatoren waren Deutschland und Polen. Das Projekt wuchs mit Hilfe der EU. Viele baltische Länder stießen dazu. Was das Kaliningrader Gebiet angeht, so gibt es hier immer viele Probleme. Nicht alle Forts sind in einem guten Zustand, es ist nicht ungefährlich, sie zu betreten. Die Besitzer dieser Forts sind verschiedene Regierungsschichten und Ämter oder private Personen, die die Zukunft dieser Einrichtungen häufig kalt lässt.
Die Beamten hätten sich schon lägst Gedanken über die Richtung der Entwicklung machen und helfen können. Aber dieses ganze System ist nicht aufHilfe ausgerichtet, sondern auf Bestrafung. Es wird abgewartet, bis man gegen die Regeln verstößt, um dann bestrafen zu können, anstatt dem Verstoß vorzubeugen, indem man Hilfe leistet.
Leider Gottes ist die Zukunft vieler Forts in der Region sehr fraglich. Die einen werden ohne Pflege vom Besitzer ruiniert, die anderen werden barbarisch von privaten Besitzern umgebaut.
Meines Erachtens soll die Privatisierung solcher Objekte unter einer besonderen Kontrolle erfolgen, denn neue Besitzer verstehen in der Regel nicht, womit sie es zu tun haben. Ihr Handeln schadet mehr als ihre Passivität, als ihr Nicht-Handeln.
In Kaliningrad könnte man einen ganzen Museumsfortifikations-
Komplex à la Französische Maginot-Linie errichten.“
„KA“: Möchten Sie nicht alles verlassen?
„Ich habe viel zu tun. Und das betrifft nicht nur das Fort №1. Jetzt habe ich Erfahrungen, einen Namen und Beziehungen. Ich hatte bereits ein Angebot, auf der Museefikation des Forts im litauischen Kaunas zu arbeiten. Aber das Fort „Stein“ ist für mich schon lange nicht nur ein Symbol meiner Hände Arbeit, sondern auch mein Zuhause. Jeder gewöhnt sich an sein Zuhause, liebt es mit seinem Herzen und kann es nicht einfach im Stich lassen.“
Königsberg hatte eine wichtige Rolle in Richard Wagners Leben – eines der bedeutendsten Begründer des musikalischen Dramas, Kritikers, Publizisten, Kunsttheoretikers und eines Vertreters der neuen deutschen Musikrichtung. Er wurde bereits im Alter von 23 Jahren Musikdirektor des Königsberger Theaters und begann für „seriöse“ Musik zu kämpfen, indem er sich dem damals leichtsinnigen Singspiel widersetzte und sich rein unterhaltenden italienischen Opern abwandte. Wagner hatte sich die Aufgabe gestellt, dem Zuhörer das Musikdrama in der Form nahe zu bringen, wie er es verstanden haben wollte: voller Ideen, Gedanken und Gefühle. Dieser Weg war für ihn schwer und voller Enttäuschung.
Richard Wagner wurde am 23. Mai 1813 in Leipzig auf dem Brühl als Kind des Polizeiangestellten Friedrich Wagner geboren und wurde zwei Tage darauf in der Thomaskirche unter dem Namen Wilhelm Richard getauft. Für seinen „wahren“ Vater hielt er jedoch den talentierten Schauspieler, Dichter und Maler Ludwig Geyer – einen Hausfreund der Familie. Und tatsächlich kannte Richard keinen anderen Vater, denn Friedrich Wagner starb im Oktober 1813 an Typhus. Damals kam es in Leipzig zu einer großen Epidemie, deren Ursache Tausende gefallene Krieger waren, die in der Völkerschlacht vom 16. bis 19. Oktober 1813 kämpften; darunter 50 000 Franzosen. Geyer heiratete Richards Mutter und adoptierte Richard und seine vier Schwestern. In Richards zweitem Lebensjahr siedelte die Familie nach Dresden über, wo Richard seine erste Berührung mit dem Theater bekam; nicht nur als Zuschauer in der Theaterloge, sondern auch als Besucher des Requisitenraumes mit seinen phantastischen Kostümen und Attrappen und sogar als Schauspieler. Richard entsinnt sich in seinem Buch „Mein Leben“ (München: F. Bruckmann A.G.-Verlag, 1911, Bd.1, S.11) an eine Aufführung zur Begrüßung des aus der Gefangenschaft zurückgekehrten Königs von Sachsen - „Der Weinberg an der Elbe“, wo er als Engel mit Flügeln auftrat. Richard besuchte gerne die berühmte Semper-Oper, deren Leiter 1816 C. M. von Weber war, Komponist der Volksoper «Der Freischütz», die 1821 in Berlin uraufgeführt wurde. Diese romantische Oper hatte damals einen sensationellen Erfolg bei der deutschen Jugend; bei Studenten, Angestellten und Handwerkern. Die nächste Oper, „Euriante“ (Wien,1823), wurde für die deutsche Oper zum neuen Genre der großen romantischen Oper auf sagenhafter kreuzritterlicher Thematik. Gerade dieses Genre griff Richard Wagner immer wieder in seinen Opern auf. Bereits im Alter von 8 Jahren wurde Richard auf das Gymnasium der Kreuzschule in Dresden geschickt. In dieser Zeit starb sein Stiefvater. Als Richard sein dreizehntes Jahr erreicht hatte, geschah eine starke Veränderung in seiner Familie: Schwester Rosalie erhielt eine vorteilhafte Anstellung am Theater in Prag und Mutter und Geschwister siedelten 1826 unter vollkommener Aufgabe des Dresdener Wohnsitzes nach Prag über. „Lange Zeit hindurch hat der Aufenthalt in Böhmen und hauptsächlich Prag einen poetischen Zauber auf mich ausgeübt“ – schrieb Wagner in seinen Memoiren. 1833 besetzte Wagner die Stelle des Musikdirektors bei der Magdeburger Theatergesellschaft. Es folgten Gastvorstellungen in Bad Lauchstädt, wo er Fräulein Minna Planer – eines der „hübschesten und liebenswürdigsten Mädchen“ kennen lernte, die später seine Frau wurde. In Magdeburg schuf Richard die „Columbus-Ouvertüre“ und im Winter 1835/ 1836 seine Opera-comique „Liebesverbot“. Wagner hoffte auf einen großen Erfolg dieser Stücke, aber bei der Uraufführung befanden sich nur drei Zuschauer im Saal, die Stimmung der Truppe eskalierte und mündete in einem Skandal, bei dem es zu einer Schlägerei kam. Wagners Ansehen litt enorm unter diesen Umständen. Dazu kam, dass das Theater Schulden anhäufte. Verzweifelt schrieb Wagner: „Das war das Ende meiner hart erarbeiteten und viel versprechenden Karriere in Magdeburg“. Inzwischen hatte Minna Planer nennenswerte Bemühungen darauf gesetzt, das professionelle Können ihres Ehemannes bei der Theaterdirektion in Königsberg vorzustellen und ihn für die Stelle des Direktors zu bewerben. Und kurz darauf kam tatsächlich ein Brief mit der Einladung nach Königsberg. Dort findet die Familie eine Wohnung auf dem Steindamm 111. Interessant ist, dass von 1933 bis jetzt die vom Steindamm abbiegende Straße Richard Wagner Straße heißt; den Namen Wagner Straße hatte sie schon im Jahre 1888 bekommen, jedoch stand dieser Name mit Carl Ernst Albrecht Wagner (1827-1871) in Zusammenhang, einem Chirurgen und Professor an der Albertina. Das Theater war in einer Viertelstunde zu Fuß zu erreichen, wenn man über die kurze Poststraße ging, wo sich rechts das Postamt und links die mächtige Altstadtkirche befand. Das Theater stand nahe dem Paradeplatz, im nord-östlichen Teil des Königgartens und öffnete sich mit seiner Fassade zum Schlossteich. Theaterdirektor A. Hübsch zögerte wochenlang mit Richards Stellengesuch. Seine Ernennung zum Musikdirektor störte den Musiker Louis Schubert aus der Rigaer Oper– einen tüchtigen Violoncellisten und den stellvertretenden Musikdirektor. Er wohnte in Königsberg in Erwartung der Eröffnung eines neuen Rigaer Operntheaters, aber dieses Ereignis wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. So klammerte er sich an seine Königsberger Stellung und erblickte in Richard einen gefährlichen Konkurrenten. Er wandte alle Mittel dazu an, das Verbleiben in Königsberg und das peinliche Warten auf die Aufnahme der Arbeit zur Hölle zu machen. „Während ich zuvor in Magdeburg mit Musikern und Sängern in einem freundschaftlichen Verhältnis gestanden hatte und vom Publikum äußerst wohlwollend beachtet worden war, hatte ich hier bald nach jeder Seite hin mich gegen die schlimmsten Anfeindungen zu wehren“, – schrieb Wagner schon in Juli 1823. Zu dieser Zeit kam aus Danzig ein attraktives Stellenangebot für Richard und Minna, worauf die Direktion mit einem Versprechen der baldigen Arbeitsaufnahme reagierte.
Jede Stadt ist bestrebt, ihr Kulturerbe zu bewahren. Das Kaliningrader Gebiet erhielt nach dem II. Weltkrieg ein unglaubliches Erbe an Zeugnissen ?ber die Lebensweise der Menschen, die dieses Land w?hrend ihrer jahrhundertelangen deutschen Epoche bev?lkerten. Heute ist jeder Gegenstand aus der Vorkriegszeit ein ganz besonderes Erinnerungsst?ck aus dieser Epoche.
Vieles ist heute unwiderruflich verloren gegangen. Umso wertvoller ist die M?he der Heimatfreunde und Enthusiasten, die Alltagsgegenst?nde, Dokumente und B?cher aus dieser Zeit sammeln. Ohne ihren Einsatz w?rden viele Zeugnisse deutscher Kultur f?r immer verschwinden. Vielleicht wird noch die Zeit kommen, in der auch einfache Menschen aus der jetzigen Bev?lkerung Anerkennung finden, die mit Verst?ndnis und Wertsch?tzung im Verborgenen und ohne staatliche Unterst?tzung uneigenn?tzig eigene Museums- kollektionen aufbauen. Sicherlich sind diese Kollektionen, gemessen an den Regeln und gesetzlichen Bestimmungen der Museumswissenschaft, nicht vollkommen, stellen des ?fteren eine Anreihung zuf?llig gefundener Gegenst?nde dar. Vielleicht k?nnen die Besitzer auch nicht immer die kulturelle und historische Bedeutung eines Gegenstandes richtig einsch?tzen. Doch sie sind es, die diese Gegenst?nde f?r uns und unsere Kinder und Enkelkinder bewahren. Dadurch haben wir die M?glichkeit, sie zu betrachten, sie zu lesen und als pers?nlichen Gewinn etwas zu verstehen und zu verinnerlichen, was uns zu Nachfolgern dessen macht, wodurch sich unsere Heimatregion auszeichnet. Ohne dieses Gef?hl kann man nicht heimisch sein, das sind die Wurzeln, die einem Menschen den Halt geben.
Manchmal kann man interessante Ausstellungen dort antreffen, wo man sie am wenigsten vermutet, zum Beispiel innerhalb des Industriegebietes im Norden der Stadt Kaliningrad (ehemaliges Viertel Rotenstein-Kummerau). Beton- und Gitterz?une unterschiedlicher Fabriken bestimmen das Gesicht des Viertels. Kilometerlang ziehen sie sich eint?nig hin. Man kann sich die ?berraschung eines Kunden vorstellen, der zum ersten Mal das Territorium eines Metallverarbeitungsunternehmens betritt, denn die grauen Mauerwerke der Hangars und Lagerhallen und die Ziegelw?nde des Office werden von mehreren Dutzend alter K?nigsberger Werbeschilder geschm?ckt. Geworben wird f?r Autoreifen und Seife, Waschpulver und Motor?l, schnellkochende Nudeln und… Oh ja! Ein riesiges gelbes Schild mit der Aufschrift „K?nigsberger Allgemeine Zeitung“! Der Krieg und die Zeit haben Spuren an den Schildern hinterlassen. Doch die Farben der Schilder sind nach wie vor anziehend und auffallend. Auf der Glast?r zum Gesch?ftsgeb?ude keine ?ffnungszeiten, sondern die Aufschrift „Museum“, v?llig unerwartet in diesem Reich des Metalles. Seitlich von der T?r Skulpturen aus Stein, welche wie W?chter den Eingang zu bewachen scheinen. Ein bisschen Humor f?gt das alte Schild mit seiner gotischer Schrift hinzu, auf dem schwarz auf wei? zu lesen ist: „Ostpreu?ischer Metallhandel“. Hinter der T?r lange Flure, in denen von oben bis unten unz?hlige Zeugnisse des deutschen Alltags aus der Vorkriegszeit h?ngen: Werbung, Stra?enschilder, Stra?enbahnrouten, kleine Schilder von unterschiedlichen technischen Ger?ten. In der Wand ist ein alter deutscher Heizkessel eingemauert, im Boden ein Kanalisationsdeckel. Und – wir glaubten unseren Augen nicht zu trauen – die verloren geglaubten M?lltonnen aus K?nigsberg und Pillau – nun restauriert und in einem einwandfreien Zustand. ?ber einen Treppenaufgang kommen wir in das zweite Stockwerk, in dem die Firmenleitung sitzt. Wir betreten ein Zimmer, das aber viel mehr einem Ausstellungsraum im Museum ?hnelt als einem Gesch?ftszimmer. Kleine Figuren in den Glasvitrinen, B?cher und Stapel mit Dokumenten auf den Regalen, Schreibmaschinen in Nischen, B?geleisen, Waagen und so weiter und so fort. Alles im einwandfreien Zustand, sodass klar wird, dass diese Gegenst?nde alle durch die sorgsamen H?nde der Restauratoren gegangen sind. Auf den W?nden Originalkarten von K?nigsberg und Ostpreu?en, die im ?brigen den Grundstein zu der Kollektion legten. Ein Designertischchen zieht die Aufmerksamkeit auf sich: das Prachtst?ck ist eine alte, vergoldete Schreibmaschine, die Tischplatte ist mit keramischen Verschl?ssen alter Bierflaschen verziert. Den Eindruck von dieser Menge an einzigartigen Artefakten, den wir bekamen, wurde durch die Demonstration des letzten Kaufs von Wjatscheslav Melanjev, einem der Eigent?mer der Kollektion, verst?rkt. Ein Zeugnis, ausgestellt f?r Franz Kr?ger, der im Jahr 1927 erfolgreich einen Kurs f?r das Zuschneiden abgelegt hatte. Das Zeugnis wurde neben einer Reihe anderer Dokumente bei einer Hausrestauration in Tschernjachovsk (Insterburg) gefunden. Wie ist das Leben dieses Mannes verlaufen? Leben seine Verwandten noch? „Neunzig Prozent aller Funde wurden in den letzten sieben Jahren hier, im Kaliningrader Gebiet gemacht“, berichtet Wjatscheslav Melanjev. Wir (dazu kommt noch Dmitrij Rogozin, ein Freund und Kollege) werden oft gefragt, wozu wir das ganze machen. F?r mich ist die Antwort offensichtlich: es ist ein Hobby. Es ist eine M?glichkeit, sich zu erholen mit einem Nutzen f?r die Seele und den Geist. Unsere Arbeit ist sehr intensiv und fordert uns heraus, deshalb ist es gut, die Gedanken zu wechseln und auf etwas anderes umzuschalten. Au?erdem ist es angenehmer, in einer solchen Umgebung zu arbeiten, als von langweiligen Regalen voller Ordner umgeben zu sein. Dennoch ist unsere Sammlung kein Schmuck f?r unsere Einrichtung, sondern ein kulturelles Erbe, das wir in unserem Betreben erhalten wollen. Wenn jemand f?r einen historischen Fundgegenstand einen Platz ben?tigt, werde ich nicht z?gern, das neue Exponat hier aufzunehmen, auch wenn er die Einrichtung entstellen sollte.“ Wir sprachen lange dar?ber, was die Menschen, deren Beruf nicht mit Kultur- oder Museumst?tigkeit verbunden ist, dazu bewegt, aktive Sammler zu werden. „Wenn du einen alten Gegenstand besitzt, dann bereitet dir allein schon das ein angenehmes Gef?hl.“ Wjatscheslav?s Stimme ist emotional, man merkt, dass es tats?chlich seine innere ?berzeugung ist. - „Und wenn du die Sache genau identifizieren kannst, also sagen kannst, wer ihr fr?herer Eigent?mer war, welche Geschichten damit verbunden sind, dann bewegt es dich noch mehr. Und wenn du ein solches Interesse versp?rst, beginnst du pl?tzlich, emsig Fachliteratur zu suchen und zu erwerben.“ Und dann erfahren wir die Geschichte dieses Museums vom ersten Tag an. Ganz einfach und undramatisch erz?hlt nun Wjatscheslav: „Das verlief bei Dmitrij und mir ganz nat?rlich. Es gab keine Versammlung, auf der wir entschieden haben: lass uns Sachen sammeln und ein Museum gr?nden!. Wir stellten einmal eine Figur auf, danach eine zweite, danach kam ein Buch hinzu... Dann wurde uns klar, dass es nicht bei diesen Gegenst?nden bleibt und wir eine entsprechende Umgebung f?r unsere Sch?tze schaffen m?ssen. So kamen wir zu all diesen Vitrinen und Regalen. Aber nat?rlich ist uns bewusst, dass das hier kein echtes Museum ist, sondern nur die Verk?rperung unseres Steckenpferdes.“ Wjatscheslav Melanjev berichtete, voller Stolz, dass jedes Ausstellungsst?ck in seiner Kollektion ein eigenes Schicksal und eine Geschichte hat. Einiges wurde hier zusammen mit Metallabf?llen abgegeben. Anderes fanden Wjatscheslav und Dmitrij selbst, da sie viel durch das Gebiet reisen. Man konnte uns auch nicht das interessanteste Ausstellungsst?ck nennen. Alles, was hier ist, ist den Besitzern aus unterschiedlichsten Gr?nden lieb und teuer. Und mit manchen St?cken sind interessante Geschichten verbunden. „An unserer Terrasse h?ngt ein gro?es Werbeschild f?r ein Sp?lmittel namens Sunlicht“, erz?hlt Wjatscheslav. „Allein schon die Etymologie des Wortes ist interessant. Auf Deutsch hei?t es ja Sonnen, Sun ist englisch.“ Wie kam es dazu? „Wir zeigten das Schild unseren deutschen G?sten, sie konnten auch keine Antwort geben. Aber bei ihrem n?chsten Besuch brachten sie eine alte Verpackung von Seifen derselben Firma mit. Auch sie ist Teil unserer Kollektion geworden. Wir h?tten sie niemals bekommen, wenn wir das Schild nicht h?tten! ?brigens kamen viele Gegenst?nde nur dank unserer Besucher in die Kollektion. Nach dem ersten Besuch unseres Museums kommen viele Besucher wieder und bringen einen alten Gegenstand mit. Auch wenn diese Gegenst?nde keinen hohen materiellen Wert besitzen, sind sie doch von der Geschichte gepr?gt und tragen ihre Spuren.“ Auch wenn das nur ein Hobby ist, planen Wjatscheslav und Dmitrij die Erweiterung ihres Museums. Viele Gegenst?nde haben sich angesammelt, die man gerne zeigen w?rde, damit auch andere Teil haben k?nnen an der Geschichte. Was genau wird ausgestellt? Das ist heute noch ein Geheimnis. Doch das macht es nur noch interessanter. Wir bekamen schon vorab eine Einladung und werden, wenn es so weit ist, unseren Lesern alles erz?hlen und zeigen. Wir glauben, dass es sehr interessant sein wird. Igor KOWAJOW
Nachdruck aus der „K?nigsberger Allgemeinen Zeitung“ vom 14. November 1930
Der Stausee und sein Wunder
So n?chtern unsere Zeit auch durch ihre zweckm??ige Technik sein mag, es gibt auch heute noch Wunderdinge in ihr, die ans M?rchenhafte grenzen und die dem, der sie einmal gesehen hat, in seiner Fantasie unendliche Anregungen verschaffen. Jahrhunderte lang – nein, in diesem Fall doch nur etwas mehr als ein Jahrhundert – lag friedlich und still die Stadt Friedland in der ruhigen ostpreu?ischen Landschaft. Nichts r?hrte sich und es schien sehr unwahrscheinlich, dass Friedland einmal zum neuen regen Leben erwachen w?rde. Wie so viele andere St?dte und St?dtchen unserer Provinz war es kaum einer Erweiterung, eines neuen Triebmittels f?hig, das auf die ganze Stadt fruchtbar wirken kann. Aber da kam der gro?e Krieg, da erhoben sich die Schwierigkeiten der Kohlenbeschaffung und die Techniker fingen an, in den engen Bergt?lern der Mittel- und Hochgebirge Wasserl?ufe zu stauen, um so „wei?e Kohle“ zu gewinnen. Als man sich in Ostpreu?en auch solcher Kraftzentren bem?chtigen wollte, merkte man, dass gerade die Alle ganz besonders dazu geeignet war. Tats?chlich, wer auf die Karte schaut, m?glichst eine im Ma?stab 1 : 25 000, der sieht, wie diese Alle sich als leibhaftiger lebendiger blauer Wurm durch eine f?r ostpreu?ische Bodengestaltung verh?ltnism??ig h?glige Landschaft schl?ngelt. Und gerade f?nf Kilometer oberhalb von Friedland bildet sie ein paar ganz enorme Schleifen – Schleifen, die so stark sind, dass man sich denken k?nnte, sie w?rden sich bei besonders starkem Wasser einmal wieder ber?hren und von selbst einen Zirkel bilden, dessen Bett Baggermaschinen nur vertiefen brauchten, um einen weiten See zu schaffen. Eines sch?nen Tages – man schrieb das Jahr 1920 – kamen Arbeiterkolonnen und das Tal wurde tats?chlich abgeriegelt. Ganz so einfach war es nat?rlich doch nicht, diesen Riegel, diesen k?nstlichen Wall mitten in die Natur des sch?nen Alletals mit energischer Faust hinein zu setzen. Eine unendliche Arbeit war n?tig. Riesige Erdmassen wurden in Bewegung gesetzt, dass man sich ?berhaupt keine Vorstellung davon machen kann. Eine fl?chtige Betrachtung dieses schmalen Dammes w?rde nicht erkl?ren, welch enorme Arbeit f?r ihn n?tig war. Man stelle sich die Strecke von K?nigsberg bis nach Elbing dicht bei dicht mit Gro?g?terwagen besetzt vor und diese Gro?g?terwagen sind bis oben mit Erde voll beladen. Dann erst hat man eine Vorstellung davon, wie viel Erdmassen bewegt werden mussten, um diesen Damm f?r das Kraftwerk Friedland zu bauen.
Der Eingang zur Unterwelt
Selbstverst?ndlich – gewi? selbstverst?ndlich solch ein Damm, den Techniker da einfach wie ein Strich auf dem Rei?brett in die Landschaft ?ber Tal und H?gel hinein ziehen, wirkt wie ein Wunderwerk. Aber dieser sch?ne Wall, der entfernt etwas an die Deiche der friesischen Nordseek?ste erinnert, ist ja eigentlich noch gar nicht das Wunderwerk, das dem Besucher in Friedland die Fantasie befl?gelt und einen ewigen Eindruck hinterl?sst. Dazu ist es gar nicht sonderbar und einmalig genug. Hinter ihm aber staut sich nun das Wasser der Alle auf, in einem gewaltigen R?cklauf der Flussgew?sser, der bis nach Schippenbeil 15 Kilometer oberhalb reicht, wobei im Jahresmittel 25 Kubikmeter pro Sekunde in das Staubecken hinein schie?en. ?brigens sind diese 25 Kubikmeter pro Sekunde gar nichts Besonderes, denn dieses hier noch kleine Fl?sschen, die Alle, kann es zur Zeit der Schneeschmelze bis zu 400 Kubikmeter in einer Sekunde bringen. Weit und gleichm??ig dehnt sich der Spiegel des Sees bis an den Horizont, bis zum Haus des Fischers, der sich mit seinen Booten und seinen Netzen hier gewinnbringend ansiedelte. An einer Stelle erreicht dieses stattliche Gew?sser eine Tiefe von 18 Meter. Gerade an dieser Stelle liegt nun das Wunderwerk, fantastisch anzuschauen und unheimlich die ?ffnung, welche direkt in die Unterwelt f?hrt. Es ist, als ob eine m?chtige G?tterhand vom Himmel herab in die Fluten dieses Sees einen gro?en Zylinder in der H?he von 18 Meter und im Durchmesser von 12 Meter hineingesetzt hat und oben reichen die Fluten bis an den Rand, w?hrend das Innere des Zylinders v?llig frei ist. Der Mensch, das kleine Wesen, kann auf dem Rand dieses Zylinders winzig wie ein Insekt herum spazieren, sieht, wie die vom Wind gepeitschten Wassermassen an die W?nde des Wunderwerks dr?cken, das dem gleichm??igen Druck standh?lt. Das Merkw?rdige ist schlie?lich – und das ist wirklich wie ein M?rchen, dass dieser Zylinder da drau?en im See durch einen Stichkanal weit unter der Sole des Deiches mit der Au?enwelt verbunden ist, derart, da? in ihm bequem vom alten Allebett her ein Boot hinein fahren kann. Die L?sung des fantastischen R?tsels? Dieser Eisenbetonturm ist weiter nichts, als ein Ventil. Steigen die Wassermassen des Sees, so st?rzen sie in einem m?chtigen Schwalle ?ber die R?nder des Turmes und flie?en unten durch den Stichkanal ab, so dass niemals und in keinem Fall die Sicherheit des Deiches durch zu hohes Steigen der Flut gef?hrdet ist. Gewaltsam hat der Mensch durch das Stauwerk in die Natur eingegriffen: den Lauf der Alle hat er nach seinem Wunsch und Willen gebrochen und ihn gilt es, in seiner unteren Strecke wieder gleichm??ig und so zu gestalten, das niemandes Interesse und Vorteil gest?rt wird. Neun Kilometer unterhalb des Kraftwerkes Friedland erhebt sich deshalb ein zweiter Riegel im Alletal, das Wasserkraftwerk Wohnsdorf, sehr idyllisch vor Kirche und Friedhof gelegen. Es hat in allererster Linie den Zweck, dem aufgeregten Flu? jene Ruhe wieder zu geben, die f?r seine Anwohner unbedingt n?tig ist.
Turbinen und Kommandopult
Das h?tte sich Napoleon, als er seine Grenadiere mit den B?renm?tzen aus dem Talkessel der Alle heraus zum Sturm auf die preu?ischen Linien ansetzte, nicht tr?umen lassen, dass hier von diesem blutgetr?nkten Boden aus einmal gro?e Teile der Provinz Ostpreu?en mit Licht und Kraft versorgt werden w?rden. Dort, wo sich der Deich dem gewachsenen Boden am meisten n?hert, steht das eigentliche Kraftwerk. Es ist im Grunde weiter nichts als ein m?chtiges Ventil an dieser Stelle, wo der gewaltige Wasserdruck, eingeengt und gefangen, auf die Turbinen dr?ckt und sie in rasende Umdrehungen treibt; an diese Turbinen sind wieder die Dynamomotoren gekoppelt. In dieser Seele des Werkes entsteht in den Generatoren die Kraft der Elektrizit?t. Wie ein Zauberschlo? wirkt das Innere dieses roten Hauses im Alletal. Donnernd st?rzen durch ge?ffnete Eisent?ren die Wassermassen herein. Zwei bis drei Meter dick sind die Unterst?nde, die den Turbinen als Geh?use dienen. Dieser lange Gang hat etwas von kriegsm??iger Befestigung. Gedrungen wie ein Panzerfort und stark, jeden Schlag und Sto? der entfesselten Elemente auszuhalten, wehrhaft im wahrsten Sinne des Wortes ist dieses Bollwerk, wo durch kluge menschliche Erfindung Wasser in Kraft umgewandelt wird. Und dann erhebt sich bis zu zwanzig Meter H?he in glitzernder Sauberkeit unmittelbar hinter diesem wasserfeuchten Gang der Turbinen das Maschinenhaus, in dem sich wie gebundene Giganten die drei gro?en Dynamos befinden, in denen sich das Geheimnis der Stromerzeugung vollzieht. Die Bewegung der Maschinen, die von doppelter Mannesh?he sind, ist so gro?, dass ihre Achsen zu stehen scheinen, denn sie laufen 250 Umdrehungen in der Minute. Eine gestaffelte Kraft gleich einem wilden gez?hmten Tier, gehorsam dem Menschen und minuti?s bis aufs kleinste mit einem leisen Fingerdruck zu regeln. Die eine Wand des gro?en Raumes ist ein heller Glasstreifen und hinter ihm befindet sich das Gewirr von roten, lila und gr?nen Signallampen, Hebeln, Schaltern, Skalen, das die Kraft, die der Natur abgenommen wurde, dem Menschen dienstbar macht. Hier ist das ber?hmte Kommandopult, von dem man durch das Umlegen eines Hebels ganze Landschaften und St?dte in Dunkelheit h?llen oder in blendender elektrischer Helle aufleuchten lassen kann. Hier lebt die ganze Provinz von Elbing bis hinauf nach Insterburg und Tilsit, soweit sie Licht- und Kraftstrom ben?tigt. Ein verantwortungsvoller Posten, der gleichm??ig Ruhe und Sicherheit verlangt. Dabei hat dieser Mann am Kommandopult nur die einfachsten Griffe zu machen: Die unheimliche Kraft hoher Spannungen, die geb?ndigt oder entfesselt dem Menschen zum Segen oder zum Unheil werden kann, wird durch diese einfachen Handgriffe erst einige hundert Meter entfernt in einem stillen ruhigen Hause, in dem man keinen Laut, kein rauschendes Wasser und kein Donnern der Motoren h?rt, in die Welt, in die Gefilde und St?dte Ostpreu?ens hinaus jagt: das ist das Umspannhaus. Hier wird der 6000-Volt-Strom der Generatoren, also jener Maschinen, die an die Turbinen gekoppelt sind, je nach Bedarf auf 60 000 oder auf 15 000 Volt Spannung gebracht. Ein Haus mit scheinbar wirrem und doch wohlgeordneten System von R?hren und Dr?hten kommt und geht aus ?lschaltern zu Porzellan-Kettenisolatoren und schlie?lich zur 60 000-Voltleitung. Wer hier herum gef?hrt wird, auf den wird ?ngstlich acht gegeben; jeder Schritt vom Wege ab kann den elektrischen Funken, der zum Tode f?hrt, blitzartig herstellen. Wie atmet die Brust befreit, wie freut sich der Besucher, der aus dem Tor des Werkes ins friedliche Alletal heraustritt. Der Himmel hat sich aufgekl?rt, die grauen Wolken, die etwas Schmermut und doch Zauberhaftes gaben, sind verschwunden und eine warme und w?rzige Sp?therbstluft l?sst aus den aufgeworfenen Ackerschollen eine herbe Feuchtigkeit aufsteigen.
Meine Reise nach Kaliningrad / K?nigsberg habe ich in diesem Jahr ganz bewusst auf den Sp?tsommer gelegt. F?r ausgedehnte Spazierg?nge ist diese Jahreszeit angenehmer. Wie oft hatte ich mir schon einen Besuch der Vororte vorgenommen, wo noch das alte K?nigsberg zu finden ist. Aber auch Busfahrten nach Tapiau und Friedland blieben bisher unerf?llt, obwohl die Preise f?r eine Fahrt umgerechnet unter 2 Euro liegen. Ein Arbeitsbesuch in der Redaktion der „K?nigsberger Allgemeinen“ muss nat?rlich nicht besonders erw?hnt werden. Bei den Reisevorbereitungen hat sich immer noch nichts ge?ndert. Nach wie vor besteht Visa- und Meldepflicht innerhalb von drei Werktagen nach Einreise in das Kaliningrader Gebiet. Eine merkliche Verbesserung ist aber schon eingetreten, indem jetzt auch die Post?mter die Anmeldeformulare bearbeiten. Vor wenigen Jahren musste man noch zur Polizeibeh?rde, einen A-4-Fragebogen ausf?llen und eine Kopie des Reisepasses abgeben. Waren die Beamten gut gelaunt, bekam man sofort Unterschrift und Stempel auf dem Teil des Dokuments, der bei der Ausreise der Grenzkontrolle vorgelegt werden muss. Ich erlebte aber auch, dass ich vor einigen Jahren einmal wegen der „Bearbeitung“ des Dokuments dieses erst am folgenden Tag zur?ck bekam. Inzwischen sind aber auch bei den Beh?rden die versteinerten Gesichter verschwunden und Freundlichkeit ist in die B?ros eingezogen. Das erlebte ich Ende M?rz 2008 auf der Meldestelle in Rauschen 1. W?hrend die Beamten meinen Reisepass ?berpr?ften und meinen Fragebogen durchlasen, verdunkelte sich pl?tzlich der Himmel und ein Schneetreiben verwandelte die Landschaft vor dem Fenster in ein winterliches Panorama, obwohl vor wenigen Minuten noch die Sonne schien. Das war so beeindruckend, dass ich ganz spontan auf russisch frage: „Was ist das? Bin ich hier in Sibirien?“ Daraufhin antwortete der Polizeibeamte in gutem Deutsch: „Nein, in Ostpreu?en.“ Dann stempelte er das Dokument mit leichtem Knall, reichte es r?ber und sagte freundlich: „Bitte“. Es war nur ein kurzer Augenblick, aber dieses Erlebnis drang bis in mein Herz hinein. Und wieder bin ich im Zug nach K?nigsberg, ganz in Erwartung neuer Eindr?cke und Erlebnisse. Aber jedes Mal kommt auch Wehmut auf. Sie wird st?rker, je mehr sich der Zug meiner Heimatstadt n?hert. Dann pl?tzlich sind wieder alle Geschichten lebendig, die mir nur meine Gro?eltern so wundersch?n erz?hlen konnten. Was w?rden sie wohl sagen, wenn sie heute mit einer „R?ckfahrkarte“ nach Ostpreu?en in diesem Zug s??en. Ganz bestimmt w?rde meine Oma den Opa auffordern, sie zu kneifen, damit sie die Best?tigung hat, dass ein Traum Wahrheit geworden ist. Wie schmerzhaft muss wohl f?r sie der Abschied von dieser Welt gewesen sein, ohne die Hoffnung gehabt zu haben, ihre geliebte Heimat noch einmal wieder zu sehen. Die Einfahrt in die gro?e Bahnhofshalle des ehemaligen Hauptbahnhofes holte mich in die Gegenwart zur?ck. Ich war am Ziel meiner Reise, angekommen im heutigen Kaliningrad. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht ahnen, dass ich diesmal die Wege meiner Kindheit gehen werde, dort, wo ich als Vierj?hriger in Wargienen (Великолукское) die letzten Stunden vor der Evakuierung im Sandkasten spielte. Das hatte sich n?mlich die Redaktion der „K?nigsberger Allgemeinen“ als ?berraschung f?r mich ausgedacht. Genau genommen war es eigentlich ein Deal, den ich ohne Bedenken, wie ich glaubte, eingehen konnte. Die Grundlage f?r diesen Deal war ein Foto aus den letzten Augusttagen des Jahres 1944, aufgenommen in Wargienen, 7 km westlich von Tapiau. Da mir von der Redaktion als Geschenk ein Ausflug zu irgend einem Ort meiner Wahl im Kaliningrader Gebiet in Aussicht gestellt wurde, war f?r mich sofort klar, dass dieser Ort Wargienen ist. Nat?rlich ist ein Besuch dieses v?llig unbedeutenden Ortes, der nicht einmal eine Kirchenruine aufzuweisen hat, keine Besonderheit. Aber genau die Stelle in Wargienen zu finden, wo ich damals im August 1944 fotografiert wurde, das ist schon eine au?ergew?hnliche Leistung, die eine gute Sp?rnase erfordert. Ich selbst hatte diesen Ort bereits zweimal besucht, aber beide Male waren meine Bem?hungen ergebnislos geblieben. So fand ich mich damit ab, dass dieses Haus auf dem Foto im Hintergrund durch die Kriegsereignisse sicherlich zerst?rt worden ist und damit auch der einzige Anhaltspunkt zur Bestimmung des Ortes der Fotoaufnahme verloren ging. Es gab auch Einwohner in diesem Ort, die mir genau zeigen konnten, wo fr?her H?user gestanden haben. Das war dann f?r meine Entscheidung ausschlaggebend, um endg?ltig die Suche aufzugeben. Aber genau dieser au?erordentliche Schwierigkeitsgrad war es, in dem die russischen Redakteure eine echte Herausforderung sahen. Im Gegenzug verpflichtete ich mich, dar?ber zu schreiben, wenn es eine echte Story werden sollte. Doch das sollen die Leser beurteilen. Ich stehe jedenfalls in der Pflicht der Redaktion, denn den Redakteuren ist es wirklich gelungen, die Stelle zu finden, wo das Foto im August 1944 gemacht wurde. Als russisch sprechende Ostpreu?en waren sie nat?rlich mir gegen?ber weit im Vorteil. Schon nach einigen Gespr?chen mit alten Dorfbewohnern konnte man davon ausgehen, dass kein Wohnhaus in diesem Ort Grundmauern mit Feldsteinen aufweist, wie sie aber auf dem Foto zu erkennen sind. Auffallend war aber das alte Schulgeb?ude als Klinkerbau, denn auf dem Foto hatte das Haus auch keine verputzten W?nde. Da das Schulgeb?ude seit Jahren schon als Wohnhaus genutzt wird, sprachen wir mit den Bewohnern und zeigten ihnen das Foto von 1944. Und das war der Durchbruch. Bereits sichtlich erfreut dar?ber, dass sie einem ehemaligen Ostpreu?en wahrscheinlich eine gro?e Freude bereiten k?nnen, f?hrten sie uns hinter das Haus, wo damals der Schulhof war. Nun brauchten wir nur noch das Foto mit der Hausfront vergleichen. Alles stimmte ?berein: die Anzahl und Form der Feldsteine in der Grundmauer, der Verlauf der Fugen und die Anordnung des Kellerfensters. Jetzt bestand kein Zweifel mehr, hier auf dem Schulhof fand in den Sommerferien 1944 ein Kindergeburtstag statt. Mein Ehrentag kann es nicht gewesen sein; der ist im Oktober. Den wirklichen Anlass zu diesem Foto werde ich wohl nie erfahren. Das Foto war mir bis vor wenigen Jahren unbekannt, erst nach dem Ableben meines letzten Onkels gelangte es in meinem Besitz. Nun ist niemand mehr da, der mir n?here Auskunft geben kann. Dennoch ist anzunehmen, dass f?r unsere Familie diese Geburtstagsfeier in Wargienen der Lebensretter gewesen sein k?nnte, ganz gleich, ob es nun der 26. oder der 29. August 1944 war. Auf jeden Fall war es der Tag, an dem britische Bomber die Stadt K?nigsberg mit Brandbomben vernichteten. Der ganze Nachthimmel muss damals feuerrot gewesen sein. Weithin sichtbar, wenn man auf einer Anh?he stand wie hier im 30 Kilometer entfernten Wargienen. Nach Wargienen hatte eine Schwester meiner Mutter in den Gutshof Meier geheiratet. So fuhren wir wohl sehr oft aufs Land, wie die St?dter zu sagen pflegen. F?r uns K?nigsberger muss Wargienen am Pregel immer ein Ort der Erholung gewesen sein und bestimmt bin ich dort zum ersten Mal in meinem Leben den ganzen Tag mit heller Freude barfuss gelaufen. Unser Dolmetscher spricht mit den Leuten, fragt nach dem Gutshaus. „Das gro?e Herrenhaus“, so sagen uns die Bewohner aus dem ehemaligen Schulgeb?ude, „das war gegen?ber der Schule und dort, ganz oben auf dem Berg, wo es nach Kaliningrad geht, da stand noch bis vor kurzem der Schweinestall.“ Ganz gegenw?rtig ist mir jetzt auf einmal jede Einzelheit aus den Erz?hlungen meiner Gro?eltern. Meine Emotionen schlagen um, verwandeln sich in Melancholie, die ich meinen Freunden nicht verbergen kann. Ich will es auch nicht. Dann bitte ich sie, mit mir auf diesen Berg zu gehen, von dem man sicherlich weit ins Land blicken kann. War es der gleiche Weg meiner Gro?eltern in jener Augustnacht des Jahres 1944, als sie von dieser H?he K?nigsberg haben brennen sehen? Wom?glich. Oben angekommen, folgen unsere Blicke der Landstra?e in Richtung Kaliningrad / K?nigsberg. Tief bewegt stehen wir als Landsleute zweier Nationalit?ten an diesem Ort, vereint in einer Schweigeminute, zu der uns niemand aufgefordert hat.
Am 22. Juli bekam eine der kleinsten St?dte im Kaliningrader Gebiet – Primorsk (ehem. Fischhausen), nach vielen Jahren ihre historische Heraldik zur?ck: das Wappen und die Flagge. Die zur?ckgekehrte historische Symbolik ist sehr wichtig, doch nicht weniger wichtig ist, dass sie sogar „historischer“ ist als die, die seit dem Anfang des XX. Jahrhunderts angewendet wurde. Die Wiederkehr des Wappens und der Flagge verdankt Primorsk/Fischhausen nicht nur dem lokalen Abgeordneten-Rat, sondern auch dem Kaliningrader Heraldiker Grigorij Lehrman. Das ist auch f?r die meisten St?dte im Kaliningrader Gebiet zutreffend, welche heutzutage durch die Geschichte belegte und von ostpreu?ischer Abstammung gezeichnete Wappen haben. 23 Wappen vom G. Lehrman sind bisher in das heraldische Register Russlands aufgenommen worden. Das Primorsker Wappen wird zweifellos schon sehr bald zum 24. Wappen in dieser Liste werden. Heute lebt Grigorij Lehrman in Leipzig, kommt jedoch regelm??ig nach Kaliningrad, wo er unerm?dlich seine T?tigkeit zur R?ckgabe einer urspr?nglichen Symbolik an die Ortschaften der Region weiterf?hrt. Auf unsere Bitte hat er nachfolgenden Bericht ?ber seine Arbeit am Wappen von Primorsk/Fischhausen vorbereitet.
Insgesamt dauerte die Arbeit am Wappen von Primorsk/Fischhausen ein Jahr. Wom?glich erscheint jemandem diese Frist als eine lange Zeit, insbesondere wenn man bedenkt, dass Elemente vom schon vorhandenen, historischen Wappen benutzt wurden. Ihre Nutzung selbst passt zum Geist der neuen russischen Heraldik, welche traditionelle, alte Wappen allen anderen vorzieht. Und dennoch ist es kein einfaches Unterfangen, weil es eine penible Vorbereitung und ausgereifte, begr?ndete L?sungen ben?tigt. Es muss gesagt werden, dass historische Wappen eine viel gr??ere Aufmerksamkeit und dementsprechend einen gr??eren Zeitaufwand erfordern. Die Herkunft der Symbolik ostpreu?ischer Wappen aus den XIV. bis XV. Jahrhundert zum Beispiel, ist in der Regel in Vergessenheit geraten. Und eine begleitende Dokumentation dazu gab es gar nicht erst. Auch die Vermischung von deutscher und preu?ischer Sprache soll nicht vergessen werden. Und neben all dem ist es auch notwendig, den heutigen B?rgern der St?dte und Siedlungen im Kaliningrader Gebiet sowie den heraldischen Beh?rden eine wahrhaftige Erkl?rung eines Wappens und seiner positiven Symbolik zu geben und gleichzeitig mit viel Geduld negative Vorurteile zu beseitigen, die zu sowjetischen Zeiten entstanden sind. Deswegen f?hre ich eine intensive Forschungst?tigkeit, bei der ich neue, fr?her unbekannte oder weniger bekannte historische und linguistische Daten nutze, einschlie?lich der ?bersetzungen von preu?ischen Orts- und Naturobjektbezeichnungen, die eine erhebliche Auswirkung auf die Wappenentwicklung im XIV. bis XV. Jahrhundert hatten. Kein Wappen kann richtig gezeichnet werden, bevor es nicht entr?tselt ist. Um jedoch die L?sung des R?tsels eines Wappens finden zu k?nnen, m?ssen zuerst St?ck f?r St?ck viele Informationen gesammelt werden. Bei der Arbeit am Primorsker/Fischhausener Wappen war ich auf 50 Informationsquellen angewiesen. Erste schriftliche Hinweise zu einer deutschen Siedlung namens Sch?newick gibt es in einer Urkunde von 1268. Im Jahre 1299 bekam die Siedlung urkundlich Stadtrechte, die im Jahre 1305 noch einmal best?tigt wurden. Doch schon im XIV. Jahrhundert taucht der Name Bischofeshusen auf, welcher im XV. Jahrhundert aber schon zu Fischhausen verk?rzt wurde. Die Grundlage des Wappens hat ihren Ursprung in der Bischofsw?rde des Samlandes, gegr?ndet im Jahre 1243. Zum Zentrum wurde Sch?newick: „Ein Stab und ein Schwert gekreuzt auf einem wei?en Feld“. Ich konnte eine genaue Datierung vom Stempel der Bischofsw?rde feststellen, von der diese Symbolik abstammt; es ist das Jahr 1344. Die Farben stammen von der Flagge mit einer identischen Abbildung, unter welcher die Krieger von der Bischofsw?rde auf dem Gr?nw?lder Feld im Jahre 1410 gek?mpft haben. Was Fischhausen betrifft, so taucht sein Wappen am Ende des XVI. Jahrhunderts ohne jegliche Begleiturkunden auf. Dabei f?ngt die Geschichte dieses Wappens viel fr?her an, n?mlich im Jahre 997, als der Heilige Adalbert die Samlandk?ste betrat und etwas sp?ter in der Stadtgegend von preu?ischen Heiden ermordet wurde. In der Heraldik und Kirchenkunst sind als Symbole vom Heiligen Adalbert ein Bischofstab, ein Palmenzweig des Friedens, ein Ruder und ein Schild mit dem Rosen-Abbild zu sehen. Ausgerechnet der Stab und die Rose wurden zu Bestandteilen des Fischhausener Wappens. Das Schwert ist eine Erinnerung an den K?nig Otakar, der in einem Kreuzzug nach Preu?en kam. Mit gr??ter Wahrscheinlichkeit ereignete sich sein erster Angriff im Jahre 1255 nicht zuf?llig am Ufer der Bucht, wo der Heilige Adalbert ermordet wurde. Bei diesem Zug wurde auch der verg?tterte Hein der Heiden ausgerottet. Somit symbolisiert der Stab eine Christenpredigt, eine Andacht an den Heiligen Adalbert und an die Bischofsresidenz zugleich. Das Schwert ist dabei Wort Gottes und Andenken an den K?nig Otakar und die Ordens-Zeit. Der mit dem Schwert ?berkreuzte Stab symbolisiert Epiphanias und den Kampf f?r den Glauben. Die roten und wei?en Farben stehen f?r Heiligkeit und Blut des Heiligen Adalbert. Au?erdem ist es nicht ausgeschlossen, dass der rot-wei?e Wappenhintergrund von den Farben Tschechiens abstammt; aus diesem Land kam n?mlich sowohl der Heilige Adalbert als auch der K?nig Otakar. M?glich ist ebenfalls, dass diese Farben dem Wappen von Stralsund entliehen wurden, da die ersten Siedler von Sch?newick urspr?nglich aus dieser Stadt kamen. Der Fisch im Stadtwappen spricht vom Fischereibetrieb in der Bucht, an der die Stadt liegt. Die azurblaue Fischfarbe symbolisiert die See und ihre Reicht?mer. Das Wappen soll zwei Zwecke erf?llen: Geographie und Geschichte einer Ortschaft wiederspiegeln und dabei (an)sprechend sein. Diese Sprachregel hat es in der Heraldik schon immer gegeben und sie hat ihre Aktualit?t bis heute nicht verloren. Das Wappen von Primorsk/Fischhausen ist ein sprechendes Beispiel daf?r. Alle Namen und Hypostasen dieser Stadt sind in ihrem Wappen vertreten: Stab und Schwert: Bischofeshusen, blauer Fisch: reicher Fischbestand und seenahe Lage von Fischhausen wie auch sein heutiger Name Primorsk... Bei der Arbeit an diesem Wappen hat sich herausgestellt, dass die Farben im historischen Wappen am Ende des XIX. Jahrhunderts vom Heraldiker Otto Hupp ver?ndert wurden. Aus einem silbernen Wappenfeld wurde ein blaues und der rote Stab und das Schwert wurden golden bzw. silbern mit goldenem Griff. Der azurblaue Fisch wurde zum einem silbernen umgewandelt. Dieses „blau-gelbe“ Wappen hat keine historische Begr?ndung. Aus diesem Grund war die Wiederherstellung der urspr?nglichen Farben, welche die originelle Botschaft der heraldischen Symbolik wiedergeben, zu einer wichtigsten Mission bei dieser Aufgabe geworden. Au?erdem hat sich herausgestellt, dass es nie konkretisiert wurde, welche Fischart das Stadtwappen schm?ckt. Geht man von der gegenw?rtigen Lage aus, so ist der baltische Hering „Salaka“ der wahre Reichtum in dieser Bucht. Das ist der Grund, warum dieser Fisch auf dem heutigen Primorsker Wappen abgebildet ist. Wir befanden aber auch die Erhaltung eines zu einer Papierbotschaft gerollten ?hnlichen Wappenschildes aus der Sp?trenaissance f?r notwendig. Und jetzt, nachdem das Wappen von Primorsk/Fischhausen offiziell anerkannt wurde, wird auch die Logik des Farbspektrums aller St?dte des Samlandes klar. Die wei?-roten Farben nehmen ihren Anfang genau hier, n?mlich in Fischhausen als Zentrum der Bischofsw?rde des Samlandes und erstem Verwaltungszentrum der Halbinsel Samland.
Grigorij LEHRMANN, ehrenmitglied der Gesamtrussi-schen Heraldik-Gesellschaft
Seit dem 23. Juli gibt es im Museum Friedl?nder Tor die Ausstellung „Mode in K?nigsberg der Zwanziger Jahre - Epoche Art D?co“.
Zeitlich gesehen ist Art D?co die letzte der bedeutendsten Kunstrichtungen, die bis jetzt eine Ideenquelle f?r Design und Mode geblieben ist. Diese Kunstrichtung spiegelt globale gesellschaftliche Ver?nderungen wider, die nach dem ersten Weltkrieg geschehen sind; beispielsweise die Ver?nderung der sozialen Stellung der Frauen. Anf?nge des Art D?co-Stils liegen in den Errungenschaften des technischen Fortschritts, im russischen Djagilew-Ballett, in ?gyptischen Ornamenten sowie im europ?ischen Kubismus und Konstruktivismus. K?nigsberg war eine der St?dte, die diesen Stil engagiert aufnahmen und sich unter seiner Einwirkung ?u?erlich gewandelt haben. Architekturbeispiele aus dieser Periode schm?cken das Zentrum Kaliningrads bis heute. Die Ausstellung „Mode in K?nigsberg der zwanziger Jahre - Epoche Art D?co“ bietet historische Fotos von Geb?uden und Interieurs, Objekte der Deco-Kunst, Geschirr, echte und nachgebildete Damenbekleidung sowie originelle Fotos von K?nigsbergern aus der damaligen Zeit. Die vorgef?hrten Kleider stammen aus der Sammlung des Mode-Historikers Alexander Wasiljew (Paris). Die Nachbildungen der Damenbekleidung haben Mitarbeiter der kreativen Werkstatt „Garderobe“ (Kaliningrad) geschaffen. Die historischen Fotos wurden von deutschen B?rgern und dem Sammler Maxim Popow (Kaliningrad) zur Verf?gung gestellt.
Die Ausstellung ist noch bis zum 25. September 2010 ge?ffnet.
Liebe Leser und Freunde! Es ist ein Jahr vergangen seit dem Augenblick, als Sie die erste Ausgabe der Zeitung „K?nigsberger Allgemeine“ in die Hand genommen haben. Das erste Lebensjahr ist auch die erste Etappe, nach deren ?berwindung schon einige Bilanzen gezogen werden k?nnen.
Das Projekt zur Herausgabe einer russisch-deutschen Zeitung, die sich ausschlie?lich dem Kaliningrader Gebiet Russlands und dem ehemaligen Ostpreu?en widmet, ist von Anfang an als eine Informationsbr?cke zwischen Russland und Deutschland geplant worden. Diese Br?cke soll unsere beiden V?lker verbinden und soll zu einer Plattform der Festigung von Freundschaft und Verst?ndigung werden. Es ist so passiert, dass die Menschen, die heute in dieser Region leben, die Erben einer regionalen deutschen Geschichte und Kultur sind, eines kulturellen, deutschen Nachlasses. Dieses geistige Erbe ?bt auf die Menschen eine anziehende Wirkung aus und bringt das russische und deutsche Volk n?her zusammen. Nur diese Region vermag es, uns eine m?chtige Grundlage f?r eine vielseitige Zusammenarbeit zu bieten und auf dieser Grundlage haben wir uns die Aufgabe gestellt, dieses Potential optimal auszunutzen. Es ist dabei von sehr gro?er Bedeutung, dass die „K?nigsberger Allgemeine“ eine unabh?ngige Zeitung ist, welche dank einer rein privaten Initiative von Kaliningrader B?rgern im Bewusstsein gegr?ndet wurde, dass die Ver?nderungen von Grenzen und Namen den Z?hler der Geschichte nicht auf den Nullstand bringen soll. Diese Menschen versuchen nicht nur das deutsche Kulturerbe zu retten und zu bewahren, sondern auch dabei zu helfen, die Trennlinie zu ?berwinden, welche diese Region in eine „Davor-Zeit“ und in eine „Danach-Zeit“ teilt...
Zuerst sollte diese Zeitung einen anderen Namen tragen. Doch w?hrend eines Treffens mit meinen deutschen Kollegen lernte ich einen sehr interessanten Menschen aus der Bundesrepublik Deutschland kennen: Herrn Wolfram Neufeldt. In seinem Pass sah ich zum ersten Mal mit eigenen Augen die Eintragung „Geburtsort K?nigsberg, Ostpreu?en“. Das hat mich damals sehr stark beeindruckt. Der K?nigsberger Wolfram Neufeldt erkl?rte sich bereit, unserer Redaktion zu helfen und befl?gelte uns mit seiner Idee, die Zeitung „K?nigsberger Allgemeine“ zu nennen; sozusagen zum Gedenken an das ber?hmte Presseblatt Ostpreu?ens, die „K?nigsberger Allgemeine Zeitung“. So wurde selbst der Name dieses neuen internationalen Projektes zum Symbol f?r die Aufbewahrung von historischer Erinnerung und geistigem Erbe. Die Zeitung ist nur ein Werkzeug. Viel wichtiger ist, wozu dieses angewendet wird. Wir selbst verstehen unter unserem Projekt mehr als nur die Zeitung. Wir kn?pfen Kontakte mit Geschichtswissenschaftlern, Heimatkundlern, Arch?ologen, Restaurateuren und Rekonstrukteuren, privaten Sammlern, Schriftstellern und vielen anderen. Es sammeln sich langsam unterschiedliche Informationen und Materialien an. Es wenden sich Menschen an uns mit ihren eigenen Projekten und Ideen, viele suchen nach M?glichkeiten, Deutschland in ihre Vorhaben einzubeziehen oder Gleichgesinnte in diesem Land zu finden. Andererseits erreichen uns auch Briefe aus Deutschland, welche ebenfalls Fragen, Bitten und Vorschl?ge enthalten. Obwohl das Zeitungsteam noch nicht so gro? ist, versuchen wir mit unserer ganzen Kraft, auf alle diese Anregungen und W?nsche zu reagieren, indem wir n?tzliche Info-Reihen, thematische Artikel und sogar Ausz?ge aus B?chern publizieren. Darin besteht ja auch unsere Hauptaufgabe – eine Informationsbr?cke mit zweiseitigem Verkehr aufzubauen, welche sowohl den Privatpersonen als auch den Institutionen bei der L?sung von vielen Fragen helfen w?rde. Daran m?ssen wir gemeinsam arbeiten, denn nur so k?nnen wir die Bedingungen f?r eine perspektivvolle Zusammenarbeit schaffen. Wir sind Zeugen davon, dass die Anziehung zwischen unseren beiden V?lkern nicht erlischt, aber sie mus immer aufs Neue gepflegt und weiterentwickelt werden. Nur eine aktive Wechselwirkung zwischen den russischen und deutschen Lesern wird uns dabei helfen, einander besser zu verstehen. Ich m?chte noch einmal besonders betonen, dass das Kaliningrader Gebiet der einzige Ort im ganzen Russland ist, welcher mit so einem einmalig historisch-kulturellen Potential ausgestattet ist. Unser Ziel ist der gemeinsame Aufbau dieser Verbindungsbr?cke zwischen unseren V?lkern, die von den Pfeilern der Freundschaft und Mitarbeit getragen werden soll. Aus diesem Grund strebt unsere Zeitung danach, den Wiederaufbau und die Erhaltung von regionalen kulturgeschichtlichen Objekten – den deutschen Kirchen, Schl?ssern und Skulpturen zu unterst?tzen sowie auch eine Aufrechterhaltung und Pflege von deutschen Grabst?tten u.v.m. zu f?rdern. Das alles hat den Zweck, eine gr??ere Ann?herung unserer V?lker und Staaten zu erreichen wie auch das Image von Russland in Deutschland und umgekehrt aufzubessern. Mittlerweile sind wir auch pers?nlich mit den Deutschen gut bekannt, die schon viel daf?r getan haben und weiterhin auf diesem erhabenen Weg bleiben, und wir berichten regelm??ig ?ber solche Menschen. Die „K?nigsberger Allgemeine“ wird auch in Zukunft solche Tatsachen beleuchten, um sie an die ?ffentlichkeit zu bringen, eine gesellschaftliche Resonanz zu aktivieren und somit eine allgemeine Anerkennung von diesen besonderen Menschen zu initiieren, darunter auch seitens der Regierungsstrukturen. Zum Beispiel hat unsere Zeitung die Aufmerksamkeit der ?ffentlichkeit darauf gerichtet, dass es im Kaliningrader Gebiet au?er den gro?en staatlichen Museen auch noch kleinere, provinzielle gibt, deren Sammlungen unterschiedliche Exponate, Dokumente und Briefe beinhalten. Alle diese Sammlungsobjekte sind der ?ffentlichkeit praktisch unbekannt. Oft k?nnen ihre gegenw?rtigen Besitzer nicht einmal den Grad der Wichtigkeit richtig einsch?tzen. Dabei k?nnen sich darunter unbezahlbare oder wichtigste historische Dokumente befinden. Leider werden die kleineren Museen und Sammlungen oft nur dank der Hingabe und der Begeisterung eines konkreten Menschen erhalten und verschwinden spurlos nach seinem Tod. In einem meiner Artikel habe ich schon einmal die Idee der Gr?ndung eines virtuellen Museums angesprochen, welche einen entfernten Zugang zu all diesen Exponaten und Dokumenten erm?glichen w?rde, damit diese Seite der Kultur nicht von den Geschichtsseiten verschwindet. Zu dieser Idee bekamen wir schon einige positive Resonanzen aus Deutschland. Ich hoffe sehr darauf, dass wir schon in naher Zukunft eine gemeinsame Arbeit zu diesem Projekt starten werden. Es macht uns gro?e Freude, wenn die Leser der „K?nigsberger Allgemeinen“ ihre W?nsche zu einer Zusammenarbeit ?u?ern. Wir sind immer dazu bereit, solche Initiativen zu unterst?tzen, weil es in unserem Interesse ist, einen m?glichst lebendigen und aktiven Informationsaustausch herzustellen. Dabei ist es unser Ziel, nicht nur die Lieferung von qualitativen Nachrichten zu gew?hrleisten, sondern auch an der Entwicklung von neuen gemeinsamen Projekten zum Wohl aller B?rger unserer beiden L?nder teilzunehmen. Es muss auch bemerkt werden, dass sich an uns nicht nur deutsche B?rger, sondern auch Staatsangeh?rige aus Holland, Argentinien und Kanada wenden. Geplant ist auch der Vertrieb unserer Zeitung auf dem Territorium Polens und anderen Regionen Russlands. Nicht zuletzt wird das Interesse f?r uns durch die Internetseite der „KA“ – www.koenigsberger-allgemeine.com gef?rdert, wo man stets einen Blick in die elektronische Version der aktuellsten Ausgabe werfen kann. Da unsere Zeitung auch schon mehrmals das Interesse zum Sprachstudium geweckt hat (der russischen Sprache in Deutschland und der deutschen in Russland), spielen wir mit dem Gedanken einer unmittelbaren Zusammenarbeit mit Universit?ten und anderen Lehran- stalten. So schreiben zum Beispiel einige Leser, dass sie nur dank unserer Zeitung mit dem Lernen der Fremdsprache angefangen haben. Wir werden oft gefragt: „Wie kann man helfen?“. Die Antwort ist simpel. Werden Sie zum aktiven Leser unserer Zeitung, teilen Sie mit uns Ihre Eindr?cke, wenden Sie sich an die Redaktion mit Ihren Vorschl?gen und Fragen. Wir sind immer dazu bereit, den Dialog aufrecht zu halten. Wollen Sie immer die aktuellsten Nachrichten aus dem Kaliningrader Gebiet wissen? Dann wird Ihnen das Abonnement unserer Zeitung dabei sehr behilflich sein. Lassen Sie uns den neuen Raum f?r die Verbindung unserer V?lker gemeinsam ergr?nden! Daf?r wollen wir mit- einander erfinderisch sein! Wir sind erst ein Jahr jung. Das ist nicht viel. Doch wir haben viele Pl?ne, welche sehr f?rderlich sein k?nnen. Wir hoffen sehr darauf, diesen Weg mit Ihnen zusammen zu gehen.
Michail PALEY, Chefredakteur
Foto: Chefredakteur Michail Palej mit seiner Enkelin Mascha – einer Altersgenossin der Zeitun
Sein Alter sieht man ihm nicht an, dem 1923 in Magdeburg geborenen Leo Hesse. Bevor wir uns an den Tisch setzen, auf dem bereits verschiedene Ordner und Karten liegen, zeigt mir Herr Hesse „sein“ Berlin aus der 17. Etage des Hochhauses auf der Fischerinsel, mitten im Zentrum Berlins. Er braucht diesen Blick auf die friedlich atmende Stadt, wenn er sich an K?nigsbergs letzte Tage im April 1945 erinnert.
Den Krieg hatte er schon seit 1943 erlebt, sein Fronteinsatz begann im Kursker Bogen und von dort ging es immer r?ckw?rts bis nach Kriwoj Rog und schlie?lich bis Odessa. Als dann die Rote Armee die Grenze zu Ostpreu?en erreicht hatte, verlegte die Wehrmacht alle verf?gbaren Kr?fte in diesen Raum, um die Front zum Stehen zu bringen. So kam auch Leo Hesse, inzwischen Unteroffizier der Infanterie, am 16. Oktober 1944 in den Raum Goldap, wo er sofort an erbitterten K?mpfen teilnahm. Zum ersten Mal seit seinem Kriegseinsatz erlebte er, wie bei einer einzigen Angriffswelle der Roten Armee sein ganzes Regiment aufgerieben wurde. Er hatte unsagbares Gl?ck, kam mit einer Verwundung des Wadenbeins davon. Wieder kriegsverwendungsf?hig, erfolgte sein Einsatz im Raum Sensburg – Heilsberg – Zinthen – Brandenburg (Pr.). W?hrend bis Jahresende 1944 die Front einigerma?en stabil blieb, brachten die Russen dann aber ab Januar 1945 Bewegung in die Kampfhandlungen und trieben die deutsche Wehrmacht im Eiltempo bis Brandenburg (Pr.) zur?ck. Manchmal waren es in einer Nacht bis zu 20 Kilometer, daran kann sich Leo Hesse heute noch sehr genau erinnern. Anfang Februar erfolgte dann die Aufteilung des Regimentes und er kam nach K?nigsberg. Die Stadt war bereits eingeschlossen und zur Festung erkl?rt. Zun?chst war Leo Hesse im Raum Quednau stationiert. Bis Ende M?rz gab es hier kaum Kampfhandlungen. Aber es war eine gef?hrliche Ruhe, die ein schlimmes Inferno ahnen lie?. F?r ihn als Unteroffizier war es unverst?ndlich, dass grunds?tzliche taktische ?berlegungen pl?tzlich nicht mehr von Bedeutung waren. Immer wieder stellte er sich die Frage, warum tatenlos zugesehen wurde, wie der Gegner in aller Ruhe seine Kr?fte neu formieren und sammeln konnte. Angriff ist die beste Verteidigung. Das war ein taktischer Grundsatz, der aber nun keine G?ltigkeit mehr hatte. Jeder wusste, was hier beim Kampf um Ostpreu?ens Hauptstadt auf dem Spiel stand, dennoch wurden nur Mannschaften aufgef?llt, keine schwere Technik zugef?hrt und es mangelte an Infanteriemunition. So wurde jedem Soldaten sehr schnell die Aussichtslosigkeit der Lage klar. Am 5. April begann dann das Einschie?en der russischen Artillerie und bereits am folgenden Tag der Sturm auf K?nigsberg. Die schwersten K?mpfe erlebte Leo Hesse am 7. und 8. April am Oberteich und am Dohnaturm, als nun auch die Rote Armee von Norden auf K?nigsberg vordrang und ihren Einbruchsraum bis zu den Hufen und Juditten erweitern konnte. Heute kann sich Leo Hesse immer noch nicht erkl?ren, wie er w?hrend der Kampfhandlungen zu einer etwa 20 Mann starken Truppe am Morgen des 9. April gekommen ist, die ein Oberst „aufgesammelt“ und unter seinen Befehl gestellt hatte. Schnell hatte sich herumgesprochen, dass sich der Oberst auch f?r alle F?lle den Regimentsdolmetscher geschnappt hat. Zu Kampfhandlungen kam es aber nicht mehr. Verschanzt im Dohnaturm, wartete jeder auf das Ende, auf die Kapitulation. Einige der Kameraden dr?ngten sich um den 22j?hrigen Regimentsdolmetscher, um die ersten russischen Worte zu lernen. Auch Leo Hesse war unter ihnen. Von hier trat er den Weg in die Gefangenschaft an.
Schloss Gerdauen, (Zhelesnodorozhnyj Siedlung, Prawdinskij Bezirk)
Die Gr?ndung des Schlosses Gerdauen wird auf das Jahr 1310 datiert. Gebaut und kirchlich eingeweiht wurde das Steinschloss im Jahre 1325. Im Laufe der vielen Kriege wurde es mehrere Male zerst?rt. Im Jahre 1872 wurde das Schlossgeb?ude komplett abgerissen und es entstand ?ber den Schlosskellern ein wundersch?ner Palast. Doch auch er teilte das Schicksal seines Vorg?ngers: nach dem II. Weltkrieg wurde das Bauwerk bis auf das Fundament zerst?rt. Die Ruinen des Schlosses Gerdauen liegen auf einem H?gel und sind von einer drei Meter hohen, mit dekorativen Schie?scharten versehenen Wehrmauer umgeben, die sich bis heute gut erhalten hat. Von der Hofseite des Schlosses ist die Mauer mit einer kaum sichtbaren Arkade verziert. Der Weg zum Schlossh?gel f?hrt durch einen gut erhaltenen Einfahrts-Komplex mit drei dekorativen T?rmchen. Die ?brig gebliebenen Ruinen waren einmal der n?rdliche Fl?gel des Orden-Schlossses Gerdauen (erbaut in der Mitte des XIV. Jahrhunderts) und stellten eine typische Bauweise der norddeutschen Ziegel-Gotik dar. Bis in die heutige Zeit blieben davon jedoch nur die Au?enw?nde erhalten. Zu Beginn der 90er Jahre des XX. Jahrhunderts wurde versucht, das Architektur-Denkmal zu einem Restaurant umzubauen, doch die misslungenen Bauarbeiten wurden letztendlich gestoppt und die neu gebauten Aufstockungen wieder demontiert. Im Rahmen des internationalen Projektes „Das Schlosserbe Baltikum – Wiederaufbau und Inbetriebnahme von Objekten“ wurde eine Reihe von Revitalisierungsma?nahmen f?r das Schloss Gerdauen vorbereitet. Als erstes muss man das Schlossgel?nde vom wilden Bewuchs und den unn?tigen Erdaufsch?ttungen befreien. Es m?ssen alle Objekte aufgedeckt werden, f?r die eine Konservierung und sp?tere Museumierung in Frage kommt (Ruinen und Keller der Vorburg, das Hauptgeb?ude des Schlosses und der unterirdische Gang). M?glicherweise wird im wieder aufgebauten Schloss eine Kutschen-Ausstellung des Museums und ein Hotel untergebracht werden, in dessen Kellerr?umen ein Bierrestaurant mit einem mittelalterlichen Ambiente die G?ste anlocken wird. Das Schlossterritorium kann auch als Museum unter freiem Himmel genutzt werden, z.B. f?r Rekonstruktionen von historischen Festen und auch f?r Festivals. Es ist dabei unbedingt notwendig, auch das anliegende Territorium mit dem See und dem Park zu kultivieren und bestm?glich zu pflegen. Als zweites soll eine umfangreiche Restaurierung des ganzen historischen Zentrums erfolgen. Das betrifft zun?chst die Siedlung Zhelesnodorozhnyj mit M?hle, Kirche und den Wohnh?usern aus dem XVII. und dem Beginn des XX. Jahrhunderts. Der Ausbau der kompletten Dienstleistungs-Infrastruktur w?re als n?chster Komplex zu erw?hnen: Hotels, Caf?s, Souvenirl?den und dergleichen mehr. Auf eine Wiederbelebung wartet auch die zur Zeit im Dornr??chenschlaf liegende „Kinderhof“-Brauerei. Nachdem alle diese Ma?nahmen zum Wiederaufbau des Schlosses und zur Fertigstellung seiner Umgebung durchgef?hrt worden sind, wird die Siedlung Zhelesnodorozhnyj als einziger Wohnort in der Region mit einer mittelalterlichen Bebauung bestimmt das Interesse zahlreicher Touristen finden.
Schloss Gro?-Wohnsdorf (Kurortnoe Siedlung, Prawdinskij Bezirk)
Gro?-Wohnsdorf wurde am Ort der preu?ischen Festung Kapostete gebaut. Im XIX. Jahrhundert wurden w?hrend der Restaurierungsarbeiten einer Wand des ?bertor-Turmes eingemauerte Dokumente entdeckt, denen zufolge dieses Steinschloss im Jahre 1356 errichtet wurde. Nach dem 13j?hrigen Krieg bezahlte der in Mittellosigkeit geratene Orden seine S?ldner mit Schl?sser und Gutsh?fen. So wechselte Gro?-Wohndorf seit dem Jahre 1468 mehrmals seine Besitzer. Von 1702 bis 1945 befand es sich im Besitz der Familie Schr?tter. In der nachfolgenden Zeit zerfiel der im Jahre 1945 noch gut erhaltene Turm des ?bertores infolge fehlender Pflege. Gegenw?rtig sind vom Gro?-Wohndorf-Schloss nur die Ruinen des 15 Meter hohen Turmes, Bruchst?cke der Schlossw?nde und der Wehrwall ?brig geblieben. Das gesamte Schlossgel?nde ist verwuchert mit B?umen und Str?uchern. Der Vorburg-Park befindet sich in einem stark vernachl?ssigten Zustand. Dennoch stellt das ereignisreiche Schloss und seine Umgebung einen gro?en historischen Wert dar. F?r den Wiederaufbau dieses einzigartigen Denkmals sind private Initiativen gefragt, die in erster Linie mit einer aktiven wirtschaftlichen T?tigkeit vorwiegend im Landtourismus-Sektor verbunden sein werden. Der restaurierte Schloss-Komplex wird wunderbar mit der umgebenden Dorflandschaft harmonieren. Das umso mehr, weil er sich an einem wundersch?nen Ort befindet und dadurch ein gutes Potential hat, zu einem interessanten touristischen Objekt zu werden. Da die Ruinen am Flussufer liegen, k?nnte man nach der entsprechenden Restaurierung und dem Ausbau der Infrastruktur diesen Ort in den Fahrplan der touristischen Binnenschifffahrt einbinden.
Entnommen aus Unterlagen der Regionalen Entwicklungsagentur
Mit einer Auflage von 60 000 Exemplaren war die „K?nigsberger Allgemeine Zeitung“ schon zu Beginn der Drei?iger Jahre das am meisten gelesene Blatt in der Provinz Ostpreu?en. Danach folgte mit Abstand das „K?nigsberger Tageblatt“, das 1933 aus der „Hartungschen Zeitung“ hervorging. Begonnen hat die Geschichte der „K?nigsberger Allgemeinen Zeitung“ in einem alten Giebelhaus der Fleischb?nkenstra?e, das in den Siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts den Zeitungsbetrieb beherbergte. Damals hatte K?nigsberg schon 140 000 Einwohner und die Gesamtauflage von 8200 Exemplaren spricht f?r den Leseeifer der K?nigsberger und ist ein beredtes Zeichen f?r ihre Verbundenheit mit ihrer geliebten Zeitung. Mit dem Wachstum der K?nigsberger Bev?lkerung vergr??erte sich im gleichen Ma?e der Umfang der Zeitung. Wenn es in den Anfangsjahren 132 Seiten in einem Monat waren, so stieg diese Zahl kontinuierlich weiter und zum Jahresende 1935 waren es dann schon monatlich stolze 640 Zeitungsseiten. Was die alten Zeitungsb?nde erz?hlen, das beschr?nkt sich aber nicht nur auf den redaktionellen Teil mit den mannigfaltigen Berichten ?ber das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben in Ostpreu?en. Auch der Anzeigenteil eines Blattes gibt in ?berzeugender Weise recht viel Auskunft ?ber die Beliebtheit einer Zeitung in allen Schichten der Bev?lkerung. Anzeigen werden dort aufgegeben, wo sich der Inserent den gr??ten Erfolg verspricht. So kann man berechtigt davon ausgehen, dass auch der Anzeigenteil der „K?nigsberger Allgemeinen Zeitung“ ein wirkliches Spiegelbild des ostpreu?ischen Lebens ist. Aus den zahlreichen Anzeigen, haupts?chlich aus dem wirtschaftlichen und kulturellen Leben K?nigsbergs, entsteht ein mosaikartiges Bild von der guten alten Zeit mit allen ihren Vorz?gen und M?ngeln, Freuden und Sorgen. So k?nnen auch ganz n?chterne Anzeigen aus den vergilbten Bl?ttern der „K?nigsberger Allgemeinen Zeitung“ Erinnerungen wecken, und pl?tzlich erwachen wieder ganz pers?nliche Erlebnisse aus den Januartagen des Jahres 1936. Aber auch f?r die junge Generation wird das Leben im damaligen Ostpreu?en von Interesse sein und f?r manchen ist dieses Buch vielleicht eine Bereicherung der Geschichten, die Eltern und Gro?eltern immer wieder erz?hlten. In diesem Sinne wollen wir die Erinnerung an unser einst so sch?nes K?nigsberg erhalten und liebevoll beh?ten; vor allem aber weitergeben an die junge Generation, um mit den Worten von Agnes Miegel, der ostpreu?ischen Schriftstellerin, w?nschen zu k?nnen: „K?nigsberg, auf dass du unsterblich bist!“
Herausgeber – Wolfram Neufeldt
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Soll das K?nigsberger Schloss in Kaliningrad wieder aufgebaut werden? Diese Frage kann schon bald beantwortet werden.
Der Beginn des internationalen Wettbewerbs zur Erarbeitung eines st?dtebaulichen Konzepts f?r die Entwicklung des historischen Teils der Stadt ist f?r April 2010 geplant. Dem Pressedienst der Administration des Kaliningrader Gebiets zufolge, werde der Wettbewerb vom Komitee f?r Architektur und St?dtebau der Stadtverwaltung und dem privaten Unternehmen „Starij Gorod“ GmbH organisiert. Der bevorstehende Wettbewerb wird das zuk?nftige architektonische "Gesicht" des gro?en und f?r die Stadt mit jahrhundertelanger Geschichte wichtigen Gebietes bestimmen. Das beinhaltet den Schlossberg und seine Umgebung und auch die ehemalige Altstadt bis zum Ufer des Pregels. Heute ist dieses ehemalige Herz von K?nigsberg ein weites freies Gel?nde, das zum Teil durch das Monster „R?tehaus der Sowjets“ und durch die B?ume am Fluss begrenzt ist. Es bleibt zu erraten, ob es im Siegerprojekt die Wiederbelebung des K?nigsberger Schlosses an seinem historischen Platz geben wird. Das ist wahrscheinlich die Hauptfrage des Wettbewerbs. Zumindest passt das Schloss konzeptionell in die vom Generalplan vorgesehene Wiedererrichtung des historischen Kern der Stadt – einerseits als Platz f?r Freizeitaktivit?ten und andererseits als Mittelpunkt des Gesch?ftslebens. Allerdings berichteten wir schon ?ber die hitzigen Debatten zu diesem Thema. Zur Diskussion stehen zwei Fragen. Die erste ist die ?ffentliche Frage, ob sich die Wiederherstellung ?berhaupt lohnt und die zweite ist die Professionelle nach dem Wie des Wiederaufbaues. Das Komitee f?r Architektur und St?dtebau der Stadtverwaltung hat bereits angefangen, Informationen und Vorschl?ge zur m?glichen zuk?nftigen Nutzung des Schlosses zu sammeln. Im Namen des Vorsitzenden des Komitees, des stellvertretenden Leiters der Kaliningrader Verwaltung, Pawel Sarkisov, wurden Briefe an mehrere Adressen von staatlichen und kommunalen Einrichtungen, an ?ffentliche Organisationen, kreative Gesellschaften, Bildungseinrichtungen, kulturelle Einrichtungen und an verschiedene Unternehmensgruppen gesendet. Diese Briefe enthielten auch eine ungef?hre Liste von fast zwanzig Nutzungsm?glichkeiten f?r Beh?rden bis Parteizentralen und Kartenverkaufszentren. Die Einwohner der Stadt wurden mit den Diskussionen zu diesem Thema bekannt gemacht. Dieses wurde vom regionalen Parlament w?hrend der Sitzung des st?ndigen Komitees der regionalen Duma f?r die Sozialpolitik, Gesundheitswesen, Bildung, Kultur und Sport er?rtert. Dabei gab es am?sante Bemerkungen ?ber den politischen Hintergrund der Sache, weil es so dargestellt wird, als ob die regionalen Abgeordneten ganz klar f?r den Wiederaufbau des Schlosses seien und sich jetzt nur noch um seinen funktionale Zweckbestimmungen sorgen. Bei derartig l?cherlichen Diskussionen kann jedoch keine konkrete und objektive Zusammenfassung der Diskussionen gelingen. Zu all dem gibt es eine einfache Antwort: Der formale Beschluss ?ber den Wiederaufbau des K?nigsberger Schlosses ist noch nicht getroffen, was soviel bedeutet, dass die Diskussionen ?ber seine Zukunft noch verfr?ht sind. Doch die st?dtischen Beh?rden in Kaliningrad erwarten konstruktive Informationen als Ergebnis der Gutachten. Wie der Hauptarchitekt der Stadt, Igor Lee sagte, muss der bevorstehende Wettbewerb auch Angaben ?ber die Zweckbestimmung der neuen Geb?ude enthalten. Das sind Standardanforderungen f?r einen Entwurf. Hier muss man verstehen, dass die Form der Nutzung des Denkmals mit einer solch historischen und kulturellen Bedeutung nicht spontan, durch Zufall oder nach Wunsch der technischen Nutzer des Geb?udes festgelegt werden kann. Es sei auch darauf hingewiesen, dass der Gewinner des Wettbewerbs nicht nur selbst der Verfasser des Entwurfs sein wird, sondern auch seine Beziehung als Person zum K?nigsberger Schloss von Bedeutung ist: ob es wieder auf dem Berg stehen wird oder nur auf alten Bildern zu sehen bleibt. Oleg PAWLOW
Im Juli 2010 werden die Gedenkfeiern zum 200. Todestag der preu?ischen K?nigin Luise gefeiert
Luise Auguste Wilhelmine Amalie, Tochter vom Herzog Karl zu Mecklenburg-Strelitz, wurde im Jahr 1776 geboren und war mit dem Preu?ischen Kronprinzen, und sp?ter einem K?nig von Preu?en, Friedrich Wilhelm III. verheiratet. K?nigin Luise hatte sich die Liebe und Achtung ihrer Untertanen erworben, sie blieb in ihren Herzen und in der Geschichte als „geistige Besch?tzerin“ von Preu?en. Sie unterst?tzte auf jede Weise den patriotischen Aufschwung ihrer B?rger. Besonders w?hrend des Krieges mit Napoleon kam dies zum Vorschein. Nachdem die preu?ischen Truppen durch die franz?sische Armee niedergeschlagen worden waren, gelangte k?nigliche Familie zuerst nach K?nigsberg und dann nach Memel. K?nigin Luise mit ihren Kindern folgte immer ihrem Mann, und mehr als das, sie versuchte, ihren Beitrag zur Verbesserung der Situation im Land zu leisten. Im Jahr 1807 traf sie sich pers?nlich mit Napoleon, um ihn um die Erleichterungen der Bedingungen eines Friedens zu bitten. Ihre M?he war aber in Nichts zerronnen. K?nigin Luise war au?erdem als Wohlt?terin bekannt. Durch ihre Unterst?tzung wurde in K?nigsberg die Gesellschaft f?r Wohlt?tigkeit gegr?ndet. In der Stadt funktionierte auch Frauenhaus der K?nigin Luise f?r arme Frauen. Die Bewohner von K?nigsberg behielten ihre K?nigin und ihren Aufenthalt in der Stadt in Ged?chtnis. Das Andenken an K?nigin Luise wird bis heute in Kaliningrad bewahrt. Im Park Luisenwahl (heute: der zentrale Stadtpark), benannt nach der K?nigin Luise, ist eine Rotunde vom Steinmetzmeister Ballert erhalten, die 1874 zu Ehren der K?nigin von ihrem Sohn, dem deutschen Kaiser Wilhelm I. errichtet worden war. Auf der Rotunde stand die Inschrift: „Dem unvergesslichen Genie von Preu?en – Luise von den K?nigsbergern“. 1901 wurde die K?nigin-Luise-Ged?chtniskirche errichtet. Sp?ter wurde die Kirche zu einem Puppentheater nach dem Entwurf vom Architekt Heitmann umgebaut. 2010 soll die Rekonstruktion des Geb?udes mit Unterst?tzung der staatlichen und regionalen Regierungen zu Ende sein. Zu Ehren der K?nigin wurde eine der sch?nsten Stra?en Kaliningrads – Luisenallee genannt (heute: Komsomolskaja-Stra?e), sowie das Luisentheater (Architekt Kukk), wo sich heute das Kaliningrader regionale Schauspielhaus befindet. Die Gedenkst?tten kann man aber nicht nur in Kaliningrad sehen. So, zum Beispiel, wurde in Sowjetsk 100 Jahre nach der Unterzeichnung des Friedenvertrages von Tilsit eine wundersch?ne Br?cke ?ber den Fluss Neman errichtet (die K?nigin-Luise-Br?cke). Die Br?cke wurde im Neobarockstil gebaut. Sie ist mit einem Flachrelief der K?nigin verziert. Dieses wurde w?hrend der Rekonstruktion der Br?cke 2007 wiederhergestellt. ?ber die Br?cke verl?uft die Stadtgrenze. Die, die in das Kaliningrader Gebiet einreisen, werden von einem doppelk?pfigen Adler begr??t. Beim Verlassen werden die Menschen von K?nigin Luise verabschiedet. Im Tilsiter Park stand ein sehr sch?nes Luise-Denkmal. Es ging aber w?hrend des Zweiten Weltkrieges verloren. Heutzutage wurde durch die ?ffentlichkeit der russischen Stadt Sowjetsk eine Stiftung zur Denkmalrekonstruktion gegr?ndet. K?nigin Luise war eine bedeutende Person, was die russisch-deutschen Beziehungen angeht. Sie war eine der Initiatoren der preu?isch-russischen Koalition gegen Napoleon. Ihre Tochter, Prinzessin Charlotte wurde die Gemahlin des russischen Zaren Nikolaus I. und erhielt den Namen Alexandra Fjodorowna. Das Jahr 2010 wird in Deutschland als Gedenkjahr der K?nigin Luise unter dem Motto „Luise lebt“ gefeiert. Man organisiert die reisen durch die Orte, wo sie sich aufgehalten hat. Es wurden au?erdem zahlreiche Denkm?ler wiederaufgebaut.
Ordenschloss- und Russischearchitektur sehen zusammen ziemlichharmonisch aus
Womit soll man die Touristen in das Kaliningrader Gebiet locken? Bei dieser Frage sind alle einer Meinung. Die wichtigste kulturgeschichtliche Ressource ist die Zeit des Ordens. Es ist offensichtlich, dass diese Zeit f?r Russland au?ergew?hnlich war.
Die wichtigsten Botschaften dieser Zeit sind die Ritterburgen. Diese Erkenntnis und das offensichtliche Potential haben dazu gef?hrt, dass in der Kaliningrader Region, sowie auf dem Territorium der Ermland-Masuren in der Polnischen Republik ein gro?es internationales Projekt ins Leben gerufen wurde. " Das Erbe der Burgen rund um die Baltische See - das Wiederaufleben der historischen Objekte". Im Zuge der Projektrealisierung, ?ber die wir schon in der „KA“ berichtet haben, wurde eine Strategie entwickelt, bei der man die Ordensburgen, die sich auf dem Kaliningrader Territorium befinden, f?r den Fremdenverkehr in der Periode von 2009-2019 ausbaut. F?r die Burg Labiau (Polessk) hat man alle n?tigte technische Unterlagen bekommen, die n?tig waren um diese Burg zu rekonstruieren und in ein historisch-kulturelles Zentrum umzubauen. In Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen hat man eine einheitliche Touristenroute festgelegt, bei der 12 polnische und 9 Burgen der Kaliningrader Region zu bestaunen sind. Die Strategie beinhaltet au?erdem eine Analyse aller 22 Schl?sse der Kaliningrader Region, ihres Zustandes, des Zustandes der umliegenden Umgebung, sowie Vorschl?ge zur Nutzung dieser Objekte im Zusammenhang mit der Entwicklung der Touristenbranche. Der Inhalt der Projektstrategie wird sicherlich nicht nur f?r Experten auf diesem Gebiet der kulturellen Geschichte interessant sein, sondern auch f?r die Leser, die urspr?nglich aus K?nigsberg stammen. Au?erdem hoffen wir auf ein Interesse potentieller Investoren, die verstehen, dass es eine gute Businessperspektive ist, Gelder in die Erhaltung von nationalen und internationalen Objekten des kulturellen Erbes zu investieren. Wir beginnen mit der Berichterstattung ?ber die 22 Burgen, die sich in dem Kalinin- grader Gebiet befinden. Wir werden ?ber die Geschichte der Burgen berichten, ?ber ihren aktuellen Zustand, sowie ?ber die strategische Bedeutung im Zusammenhang mit dem Tourismus. Die Burg Preu?isch - Eylau wurde 1325 gegr?ndet. Das Baumaterial war Stein und Ziegelstein. Die Burg hatte eine wichtige regionale Bedeutung. Die Vorburg diente als Unterkunft f?r die Soldaten und Diener. Au?erdem waren dort auch die B?ckerei, der Pferdestall, sowie andere Dienste, die f?r die wirtschaftliche Versorgung zust?ndig waren. Seit Anfang des 15. Jahrhunderts, war die Burg und die Siedlungen in der n?heren Umgebung immer wieder Angriffen sowie Feuern ausgesetzt. Im Jahr 1802 war die Burg erneut einem Feuer zum Opfer gefallen, dieses Mal wurde sie jedoch nicht wieder aufgebaut. Ende des 19. Jahrhunderts waren nur noch Ruinen ?brig. 1932 wurde in der alten Villa, welche sich an den Mauern der fr?heren Burg befand, ein Landeskundemuseum er?ffnet. Nach dem Krieg sind die Wohnr?ume der ehemaligen Villa allm?hlich verfallen. Die Ruinen der alten Burg, sowie die n?here Umgebung sind langsam verwahrlost. Ein Interesse an dem Wiederaufleben von Preu?isch - Eylau entstand erstmal 1990, als eine Moskauer Bank, die als Investor aufgetreten ist, die Vorburg zu einem Hotel umbauen wollte. In den Kellern sollte ein Restaurant entstehen. Leider ist es nicht zum Abschluss der Restaurierung gekommen, da die Bank bankrot ging. Heute ist die Burg in die Touristenroute eingeschlossen, welche die einzelnen Kriegsst?tten der Napoleon-Kriege zeigt. Die russischen St?dte - Bagrationowsk (Preu?isch - Eylau) und Prawdinsk (Friedland). Auf der polnischen Seite - Gurowo - I?aweckie und Pultusk. In diesem Zusammenhang wurde von den einzelnen Bezirksverwaltungen der Stadt Bagrationovsk das Projekt "Preu?isch - Eylau" erarbeitet. Es wird eine Rekonstruktion des Schlachtfeldes geben, auf dem 1807 die russische und preu?ische Armee gegen die Franzosen gek?mpft hat. Die Parkanlage rund um das Denkmal zu Ehren der Schlacht bei Preu?isch - Eylau soll wiederhergestellt werden und die Infrastruktur hergerichtet werden. Es sollen au?erdem Kongresse und wissenschaftliche Konferenzen durchgef?hrt werden. Weiterhin ist ein Zentrum f?r die milit?rgeschichtliche Bewegung in Planung - der Bau eines Freizeitlagers sowohl f?r Jugendliche, als auch f?r Erwachsene, die sich mit diesem Thema befassen. Dies alles zeigt die Bereitschaft der regionalen, wie auch der Bezirksverwaltungen, die Burg Preu?isch - Eylau f?r den Ausbau des Tourismus zu nutzen. Somit wird auch die Attraktivit?t des Gebietes rund um Bargationowsk gesteigert. Die Autoren der Strategie haben Ihre Empfehlungen zur Revitalisierung der Burg Preu?isch - Eylau vorgeschlagen. Vom juristischen Standpunkt her ist es das wichtigste, das Objekt aus dem staatlichen in den regionalen Verwaltungsbereich zu ?bergeben. F?r die Beendigung der Bauarbeiten und die Inbetriebnahme der Vorburg des Schlosses als Hotel- und Tourismus- komplex ist es notwendig, eine halbstaatliche Gesellschaft zu gr?nden. Auf den erhaltenen Fundamenten der Burg w?re es zu empfehlen, arch?ologische Fundst?cke auszustellen. Das Gel?nde um die Burg sollte man im mittelalterlichen Stil ausbauen, um es f?r interaktive Unterhaltung zu nutzen. Das Projekt ist f?r Investoren offen. Die ausgesprochenen Empfehlungen sind in ihrer Durchf?hrung nicht schwierig, mehr noch erleichtern sie es, das Gebiet in touristischer Hinsicht, im Zusammenhang mit den Ruinen der Burg, attraktiver zu gestalten. Au?erdem sind die Empfehlungen ein zus?tzlicher Garant f?r staatliche F?rderungen. Dieses Projekt ist eine reale M?glichkeit f?r Bagrationowsk (Preu?isch - Eylau), seinem Status als eine historische Stadt gerecht zu werden.
Vorbereitet nach den bereitgestellten Unterlagen des Projektes "Das Erbe der Burgen in der Region der Baltischen See" Im Zusammenhang mit der Agentur f?r wirtschaftlichen Aufschwung.
Die Epoche des Teutonischen Ordens ist eine der attraktivsten Epochen der Geschichte, die weitgehende Spuren hinterlassen hat. Das ist die Epoche des Rittertums, der Schl?sser, der Kreuzzuge.
Die Kaliningrader Klubs der historischen Rekonstruktion haben sich miteinander ?ber weitere Zusammenarbeit bez?glich des Teutonischen Ordens abgestimmt. F?r das n?chste Jahr wird ein umfangreiches Programm geplant: Wissenschaftler, Waffenmeister und andere Leute, die sich mit der Rekonstruktion des Teutonischen Ordens besch?ftigen, sollen aus Russland und aus den europ?ischen L?ndern ins Kaliningrader Gebiet kommen. Anfang Mai werden au?erdem die Rechtsnachfolger des Teutonischen Ordens, der zurzeit als weltliche Organisation existiert, aus Wien erwartet. Es wird eine wissenschaftliche Konferenz geplant, in der die historische Rolle des Ordens sowie seine Heraldik besprochen werden sollen. Weitere geplante Veranstaltungen sind die Meisterkurse f?r Schwertkampf, Bogenschie?en und Armbrustschie?en, Wurfspie?werfen. Wie einer der Organisatoren dieser Veranstaltungen, Leiter des Klubs „Wildenburg“ aus der Stadt Wladimir (Russland) Igor Morosow berichtet hat, soll als n?chster Schritt das Sturmlager auf dem Berg Zamkowaja (Schlossberg) neben den Ausgrabungen des K?nigsberger Schlosses rekonstruiert werden. Das Ritterlager mit seinen Verteidigungsgr?ben, Angriffst?rmen und Treppen, gro?en Festungsarmbr?sten und Feldzelten wird vom Mai bis September den Alltag des Ritterheers repr?sentieren und soll eine tolle Abbildung der Erz?hlungen von den Fremdenf?hrern werden. Das Kaliningrader historisch-k?nstlerische Mu- seum wird bei der Entwicklung dieses Projektes notwendige Unterst?tzung leisten. Es ist durchaus m?glich, dass schon im n?chsten Jahr die Bewohner der Region und die Touristen die nie dagewesenen Ritterspiele zu Pferd anschauen werden. Der Klub des Schaaken - Schlosses bietet daf?r kostenfrei die geschulten Pferde und die M?glichkeit der ?bungen an. Als Prinzipien der informellen Vereinigung der regionalen Ritterklubs hat Herr Morosow „Kooperation, gegenseitige Hilfe und Altruismus“ genannt. - Um noch mehr Menschen zur Rekonstruktion heranzuziehen, haben wir den Bau des einheitlichen Waffenarsenals im Sommerlager beim Schloss Insterburg beschlossen. Hierher kommen die Waffenmeister verschiedener Richtungen zusammen und schaffen innerhalb von 3-4 Wochen mindestens 20 komplette Waffens?tze. Jeder von unseren Klubs kann alles N?tige f?r ihre Veranstaltungen erhalten, ohne daf?r Geld zu zahlen. Es werden auch Waffens?tze und R?stungen f?r die ?bungen der Klubmitglieder bereitgestellt. Dies erm?glicht eine bessere Ausbildung der K?mpfer. Aber auch alle Klubmitglieder m?ssen einander helfen. Man hat einen Gesamtplan f?r das ganze Jahr zusammengestellt, um das ?berschneiden der Veranstaltungen zu verhindern. Das alles soll dazu f?hren, dass jede Veranstaltung sowohl f?r die Organisation als auch f?r die Zuschauer interessanter und besuchsreicher sein wird, - so Herr Morosow. Eine der geplanten bedeutenden Veranstaltungen des n?chsten Jahres ist die gemeinsame Reise ins das Pskowskaja Gebiet zwecks der Widerherstellung der Schlacht auf dem Eis des Peipussees. Unter bestimmten Bedingungen wird auch die Schlacht bei Gr?newald (Polen) zum 600-j?hrigen Jubil?um rekonstruiert. „Wir wollen damit eine organisatorische, materielle, ja, sogar wissenschaftliche Basis schaffen, die es jedem, unabh?ngig vom Alter oder der finanziellen Situation, erm?glicht, sich mit der Rekonstruktion zu beschaffen“, die Worte des Klubleiters Wildenburg lassen auf die Seriosit?t des Vorhabens schlie?en. Dies kann das Kaliningrader Gebiet zu einem kulturellen Zentrum der Ritterbewegung machen. Es werden 22 Ordensschl?sser im Kaliningrader Gebiet gez?hlt. Es gibt also genug Platz f?r das Vorhaben.
In der Siedlung Lesnoe (ehem.Warnicken) hat man das verlorene Denkmal einem deutschen Forstaufseher entdeckt. Dieser Forstaufseher hat auf eigene Kosten eine der sch?nsten Parkanlagen Deutschlands angebaut. Das ehemalige deutsche Warnicken (heute – Lesnoe) war eine kleine Sied-lung. Es hat aber einen gro?en Rum er-worben – nicht nur au?erhalb Ostpreu?en, sondern auch des ganzen Deutschlands. Nicht ohne Grund wurde in den Reisef?hrern die wundersch?ne Natur des Samlandes f?r die Reisenden angepriesen. Besonders wurden Wande-rungen von der Ortschaft Rauschen (Stadt Swetlogorsk) nach Warnicken (Lesnoe) empfohlen. Hat sich der Wan-derer an die empfohlene Wanderroute gehalten, so erschlossen sich seinem Auge eine bewaldete Steilk?ste sowie die kleineren Schluchten und ein wun-dervoller Ausblick auf das Meer. Die Ausfl?gler, deren Kondition nicht so stark war, konnten mit der Eisenbahn bis zur Siedlung Georgenswalde (Otradnoje) fahren und von dort aus ih-ren Wanderausflug fortsetzen. Die aber, die keine Kondition vorzuweisen hatten, konnten mit der Bahn direkt nach War-nicken, das bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges die Endstation der Saml?n-dischen Eisenbahn gewesen war, reisen. Auch die russischen Touristen wurden nicht vergessen: f?r sie gab es einen Reisef?hrer auf Russisch, dessen 3. Ausgabe in K?nigsberg erschienen war. Aus diesem Reisef?hrer konnte man entnehmen, dass die Reise von K?nigs-berg bis Warnicken eineinhalb Stunden mit der Eisenbahn dauerte, dass das Ba-den im Meer von 06.00 bis 12.30 erlaubt war und dass die Hauptsehensw?rdig-keit die so genannte „Wolfsschlucht“ war. Ein ber?hmter Architekt Karl Friedrich Schinkel schrieb folgendes w?hrend seiner Reise am 1. August 1834: «Die Oberf?rsterei Warnicken hat an dem ganzen Strande des Samlandes ohne Zweifel die anmutigste Lage, welche durch die ?ppigste Baumvegetation auf den H?hen und in den Schluchten der Meeresk?ste versch?nert wird. Es ist gar w?nschenswert, dass die einem Urwald gleichenden alten Baummassen, welche einzig in ihrer Art sind, von der Forst-verwaltung geschont und als Denkm?ler eines ?ppigen fr?heren Naturzustandes aufbewahrt bleiben». Die Sch?nheit von Warnicken hat auch den preu?ischen K?nig Karl Friedrich IV in ihren Bann gezogen, sowie den ber?hmten Abenteurer und Wissen-schaftler Alexander von Humboldt, die 1840 Warnicken besucht haben. An ih-ren Besuch erinnerten dann die Namen „Der K?nigsstuhl“ und „Freundschafts-sitz“. Seitdem ist die K?ste unter dem Einfluss des sturmenden Meeres sowie die dadurch verursachten Erdrutschen um 10 Meter zur?ckgegangen. Trotz-dem erm?glicht der sog. „K?nigsstuhl“, der sich westlich der Wolfsschlucht be-findet, immer noch einen wundervollen Ausblick auf das Meer, die auf die Ufer zurollenden Wellen und das weit zu ?ff-nende Meer. Wild und gro?artig erscheint die maleri-sche Wolfsschlucht mit ihrem Bach, der sich unaufh?rlich seinen Weg bahnt. Doch die Perle der ganzen Gegend ist der Warnicker Park, der zwischen der Wolfsschlucht und der Fuchsschlucht liegt. Ein ber?hmter Historiker des XIX Jahrhunderts und ein Sch?nheitskenner behauptete, dass nichts in Deutschland k?nne mit diesem Ort verglichen werden. Der Gr?nder dieser Parkanlage, war der Oberf?rster Gebauer, der seit 1824 in der Forstwirtschaft gearbeitet hat. Der Anbau wurde durch seine privaten Mit-tel finanziert. Ihm ist es zu verdanken, dass im Park verschiedene Aussichts-plattformen mit romantischen Namen entstanden waren und viele B?ume mit den prachtvollen Kronen gepflanzt wor-den waren. In 1848 wurde zu Ehren seines f?nfzig-j?hrigen Dienstes in der F?rsterei ein Gedenkstein mit einer kurzen Inschrift „Gebauersh?h“ und einem Datum „1848“ gesetzt. Festliche Er?ffnung fand vor den mehreren Einwohnern und Urlaubern aus allen Orten und Siedlun-gen bis an Neukuhren (Pionerskij) statt. Aber dort, wo damals dieser Gedenk-stein gesetzt wurde, gibt es keine Spur von ihm. Es existiert sogar kein Platz mehr, wo sich dieser Stein befand. Das zusammengest?rzte Ufer hat auch das Denkmal runtergezogen. Der Gedenk-stein schien f?r immer zu verschwinden. Aber zum Gl?ck stellte es sich heraus, dass das Denkmal entdeckt wurde. Halbbegraben lag es auf der Mee-resk?ste. Wahrscheinlich wartete er auf jemanden, der es wieder ausfindig macht. Als ich an den Stein gestolpert hatte, begann ich wie ein Urmensch, diesen Platz mit dem Stock zu s?ubern. Ljuba, die ich zuf?llig getroffen hatte, versuchte, den fest zusammengedr?ck-ten Boden mit Hilfe des Wassers weich zu machen. Und was f?r ein Gl?ck! Als wir den Stein ausgegraben hatten, ver-gewisserte ich mich, dass die Inschrift v?llig unbesch?digt war. Zum n?chstm?glichsten Zeitpunkt wer-den wir unbedingt den Stein auf das ho-he Ufer herausholen. Der Abgeordnete des ?rtlichen Dorfrates Igor Faminych, Enthusiast und Patriot, hat uns verspro-chen, seine Hilfe zu leisten. Danach set-zen wir das Denkmal oben, damit die Leute es bewundern und dem Ober-f?rster Hochachtung zollen konnten. Boris Adamov, Vorstandmitglied des Kaliningrader Klubs der Heimatforscher Foto: Eduard Moltschanov
Eines der Symbole von Ostpreu?en waren die Pferde der ber?hmten Trakehner Rasse.
Sie wurde im XVIII Jahrhundert gez?chtet und bekamen ihre Bezeichnung nach dem Namen des Preu?ischen Hauptgest?t Gro?-Trakehnen (heute die Siedlung Jasnaja Poljana, im Bezirk Nesterov), welches 1732 von Friedrich Wilhelm I, dem „Soldatenk?nig“, gegr?ndet war. Urspr?nglich wurden die Trakehner als Milit?rpferde in der Kavallerie eingesetzt. Ab Anfang des XX Jahrhunderts – als universelles Sportpferd, der sich in Vielseitigkeit, Dressur- und Springreiten gleicherma?en gut bew?hrt. Nach 1945 wurden die Trakehner sowohl in Deutschland als auch in der ehemaligen UdSSR selektiert. Darunter in Kaliningrader Gebiet, wo in den 90-iger Jahre das Gest?t Gro?-Trakehnen wiederaufgebaut wurde. In den letzten Jahren haben ausgerechnet Sportler auf „russischen Trakehnern“ gro?e Erfolge erzielt. Der ber?hmteste Hauptbesch?ler der Rasse war der Hengst Tempelh?ter. Zu seinem Ehren wurde eine Bronzestatue gegossen, die bis 1945 vor dem Haupteingang der Landstallmeisterei stand. Nach dem Krieg gelangte die Statue, nun eine Troph?e der Roten Armee, nach Moskau. Lange Zeit schm?ckte sie den Eingang zum Pferdezuchtmuseum der landwirtschaftlichen Akademie. Am Anfang der 90-iger Jahre wurde der bronzene Tempelh?ter von Vandalen besch?digt. Nach der Restauration wurde die Statue des ber?hmten Trakehners in den Innenhof der Akademie verlegt. Und doch gibt es keine bessere Stelle, um den Denkmal des herausragenden Vertreters der Rasse aufzustellen, als die Heimat der Trakehner selbst. Die Stadt Gusev (ehemals Gumbinnen) zum Beispiel, hat ihren „Originalelch“ wieder erhalten. Zwar war der Weg f?r die R?ckkehr nicht weit – er musste nicht aus Moskau, sondern aus Kaliningrad transportiert werden – aber die Sache lohnte sich. Zu dieser Schlussfolgerung kamen die Teilnehmer der Fahrt zum Nesterovskij Rajon (ehemalig Landkreis Stallup?nen), die von der Abteilung f?r Tourismus der regionalen Regierung organisiert wurde. 30 Reiseveranstalter lernten die einzigartige Natur der Wystiter Anh?he kennen. Den Profis sind auch andere f?r Touristen attraktive Stellen und Objekte aufgefallen. Schlie?lich waren es die Reiseveranstalter die dem Verwaltungschef des Bezirks empfohlen haben, sich mit der R?ckkehr der Statue des Tempelh?ters zu besch?ftigen. Anton Schmidt Foto: www.kenig.org
Die Schl?sser des Zeitalters des Deutschen Ordens sind einer der am meisten bemerkenswerten und attraktiven touristischen Objekte in der Umgebung von Kaliningrad. Das bezeugen sowohl Fachm?nner als auch Leien – so berichten die Reiseleiter, sogar die Ruinen hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Das ist eine erfreuliche Tatsache. Weniger erfreulich ist, dass viele Schl?sser zu Ruinen verfallen sind oder im besseren Fall eine umfassende Rekonstruktion und Erneuerung brauchen. Den Schl?ssern ein neues Leben einhauchen – dieses ambiti?se Ziel verfolgte das internationale Projekt „Das Schl?ssererbe in der Region der Ostsee – Wiedergeburt und Aufstieg von historischen Objekten“ Die Bilanz wurde auf einer Konferenz gezogen, welche Anfang September stattfand. Der Projekt umfasste einen Zeitrahmen von zwei Jahren und wurde im Rahmen des Nachbarschaftsprogramms „Litauen-Polen- Kaliningrad“ (INTERREG IIIA/TACIS) ausgef?hrt. Als Partner fungierten bestimmte Abteilungen der Regierung des Kaliningrader Gebiets, die Vereinigung polnischer Gemeinden „Gotische Schl?sser Polens“ und die Verwaltung des Bezirks Polessk im Kaliningrader Gebiet. Die Gesamtsumme der gew?hrten und zur Verf?gung stehenden Mittel betrug 270 Tausend Euro, davon kamen 245 Tausend von der EU. Dem Bericht nach zu urteilen, trug die M?he der Teilnehmer Fr?chte. Eine umfassende Herangehensweise an das Problem erm?glichte es den Experten, eine Strategie zur F?rderung des Tourismus f?r 22 Schl?sser, die sich im unterschiedlichen Zustand befinden, in der Umgebung von Kaliningrad zu entwickeln. F?r eines der Schl?sser – das Schloss Labiau (in Polessk) – wurde die f?r die Rekonstruktion notwendige technische Dokumentation erstellt, sie wird m?glichen Investoren vorgelegt. Ein gro?es Modell des Schlosses wurde als Geschenk der Verwaltung des Bezirks ?berreicht. In den W?nden des restaurierten Schlosses soll ein kulturell-geschichtlicher Komplex er?ffnet werden, welcher auch die um ihn herum erhaltene st?dtische Bebauung, Uferpromenaden, Anlegestellen und selbst den Fluss Deima, umfasst. Im Schloss selbst werden Theater, Museum, ethnografisches Studio, Hotel, R?umlichkeiten f?r Gro?veranstaltun-gen und Konferenzen, Restaurant und Weinkeller Platz finden. Der Innenhof des Schlosses wird in ein Atrium verwandelt. Auf dem anliegenden Territorium werden handwerkliche und restauratorische Werkst?tten, Spiel-pl?tze und Souvenirl?den angesiedelt. Ebenso wurde im Verlauf des Projekts eine einheitliche touristische Route, welche 12 polnische und 9 kaliningradische Schl?sser vereint, entwickelt. Von beiden Seiten betonten die Kuratoren des Projekts wiederholt, dass Routen, welche durch ein einheitliches Thema die Territorien mehrerer Nachbarl?nder vereinen auch weiterhin entwickelt werden. Als Beispiel wurden solche genannt, die dem Leben und den Errungenschaften gro?er Pers?nlichkeiten der Vergangenheit, wie Immanuel Kant oder Nikolaus Kopernikus, gewidmet sind. Die Wiedergeburt der Schl?sser ist ein bedeutendes Ereignis. Wie der polnische Generalkonsul in Kaliningrad, Marek Golkovski, anf?hrte, waren die Schl?sser Mittelpunkt des Lebens und kultureller Werte. Ihre Wiedergeburt ist nicht blo? Wiederherstellung der Mauern, sondern ein Neuerwachen kultureller Werte. Dar?ber hinaus stellen restaurierte und f?r Touristen attraktive Schl?sser einen bedeutenden wirtschaftlichen Beitrag zum Haushalt kleiner St?dte und D?rfer, in denen sie sich befinden, dar. Isabella Narozhnjak, die Kuratorin des Projekts von der polnischen Seite, hat das Niveau der Zusammenarbeit und des gegenseitigen Verst?ndnisses positiv bewertet. Sie hofft auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit und ihre Verwandlung in einen Gegenstand der langfristigen Partnerschaft der baltischen L?nder. Das Schloss Preu?isch-Eylau (Stadt Bagrationovsk) kann zum n?chsten Objekt praktischer Forschungen und der Entwicklung der Dokumentation werden. Die russische Kollegin der Frau Narozhnjak – Galina Maksimchuk – merkte an, dass die polnische Erfahrung bez?glich der Revitalisation der Schlosser, eine gro?e Hilfe bei der Arbeit war. Das Projekt hat gezeigt, dass einige Schlosser eine gute Perspektive auf Wiederherstellung haben.
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Dieses gr??te und sehr gut erhaltende Fort K?nigsbergs ist ebenfalls von einem Graben umgeben und befindet sich auf der Erh?hung, die fr?her Kwednau hie?. Die herausragende Besonderheit des Forts №3 ist, dass w?hrend der Sucharbeiten auf seinem Territorium ?ber 30.000 Gegenst?nde aus dem K?nigsberger Museum "Preu?en" gefunden wurden. Diese Sachen galten fr?her als verloren.
Der Standort: Kaliningrad, am Ende der Stra?e Alexander Nevskij, rechts von der Ausfahrt Richtung Selenogradsk. Die Festigung wurde an der Stelle von der Ordens Festung errichtet, die aber ihrerseits auf der Stelle einer alten preu?ischen Stadt gegr?ndet worden ist. Das Erste, was die Augen bei dem Besuch des Forts sehen, sind seine eindrucksvolle Gr??e und das Fehlen von bedeutenden Besch?digungen an den Au?enseiten. Man geht ?ber die feste und sichere Br?cke hinein und kann kaum hunderte von Kasematten auf drei Stockwerken der Festung umgehen. Man muss noch dazu sagen, dass diese Reise eine ziemlich riskante Idee bleibt. Der einsame Forscher riskiert, im Halbdunkeln in das Treppenhaus oder in die Luke f?r den Transport von Geschossen runter zu fallen. Leider kamen solche Vorf?lle schon vor.
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Trotzdem gehen um einen herum im vollen Umfang die Arbeiten an dem Komfort des Territoriums weiter. Die Arbeiter fegen aus und bringen den M?ll weg, m?hen den Rasen, die Jugend markiert mit einem speziellen, hellen Band die Fenster und Durchbr?che. Man hat das Gef?hl, dass sich ein Tourist -Einzelg?nger hier nicht so schnell sein Genick brechen kann. Es sieht so aus, dass f?r das Fort „Friedrich III“ eine neue Wendung in sein Schicksal kommt. Was kann man erwarten? Es gab schon sehr viele Projekte und Versuche, neues Leben in diesen einzigartigen Architektur-Komplex einzuhauchen, nachdem in den 90er Jahren das Milit?r dieses Territorium und seine R?ume verlassen hat. W?hrend zahlreicher Streits um das Eigentum dieses nicht mehr strategischen Objektes, wurde in den verlassenen Kasematten das Lager einer Firma eingerichtet. Man sah immer ?fter die enthusiastischen Schatzsucher, die im Volk „Schwarzgr?ber“ genannt wurden. Genau in dieser Zeit passierte das, wof?r „Friedrich III.“ seinen Ruf eines schweigsamen Besch?tzers von Geheimnissen f?r immer bekommen hat und einen Status der neuen Sehensw?rdigkeit auf den Wanderkarten erhielt. Diese Geschichte fing wie ein echter Krimi an Auf einmal erschienen auf den lokalen Antiquit?tsm?rkten antike Gegenst?nde aus Stein, Knochen und Silber. Man sah auf diesen Dingen ganz deutlich die Inventurnummern. Dies konnte die Kaliningrader Museumsleitung nicht kalt lassen. Schon die erste Begegnung des Spezialisten mit den Funden hat alle schockiert. Es gab keine Zweifel mehr: es waren die Gegenst?nde aus der Museumssammlung „Preu?en“. Um zu erfahren, woher diese Sch?tze auf den „schwarzen Markt“ kamen, mussten die Mitarbeiter des Kaliningrader Museums f?r Geschichte und Kunst ihre eigenen Ermittlungen durchf?hren. Alle Wege f?hrten zum Fort №3. Aber schon im Laufe der Nachforschungen wurde ein trauriger Fakt klar: viele von den Exponaten, die einen riesigen, arch?ologischen Wert haben, waren besch?digt als Folge der nicht geschickten Ausgrabungen. Und ein Teil wurde zusammen mit dem M?ll in die Gr?ben als unn?tzlicher Kram weg geworfen. Die Suche wurde begonnen, und von 1999 bis 2003 siebten die Kaliningrader Arch?ologen den Boden und den M?ll jeden Quadratmeter auf dem ganzen Territorium des Forts buchst?blich durch. So wurden mehr als 30.000 Gegenst?nde der ber?hmten Sammlung gerettet. Leider stellten 80% der gefundenen Exponate nur Bruchst?cke dar, aber mehr als 1.000 St?ck sind einzigartige, gut erhaltene Exponate von der Epoche des Steines bis zur Epoche der Wikinger. Unter den Funden befinden sich die M?nzen verschiedener Epochen, einschlie?lich der Periode des R?mischen Reiches, der antike Schmuck bestehend aus den Schnallen, den Armb?ndern, Fibula, Griwna (Halsschmuck), den Stein- und Bronzen?xten, den Speerspitzen, den Messern, den Fragmenten der Schwerte der Wikinger, den Gegenst?nden der inneren Ausstattung des K?niglichen Schlosses. Dank dieser Tatsache wurde das Museum Preu?ens jetzt auch zum Stolz der Kollektion des Museums f?r Kunst und Geschichte in Kaliningrad.
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Wenn Sie jetzt durch den Innenhof „Friedrich III.“ gehen und eine Treppe, die voll mit Moos bedeckt ist, hoch bis zur Spitze steigen, erinnern Sie sich an diese Geschichte. Wie viele Geheimnisse verbirgt noch unser schweigsamer Besch?tzer? Schauen Sie sich um. In den dicken Gestr?ppen kommen die kaum sichtbaren W?nde der Bunker durch, die jetzt als Aufmarschgebiet f?r unz?hlige Horden von Flederm?usen dienen. Es kann sein, dass hier eines Tages alles anders wird: die Fu?g?ngerrouten, die Schilder, die gem?tlichen Caf?s … Ob „er“ vielleicht auf diese Er?ffnung wartet? Georgij G.
DIE AUSKUNFT
Das preu?ische Museum wurde 1844 gegr?ndet und geh?rt zu den gr??ten, arch?ologischen Museen Europas. Zu seiner Sammlung z?hlen ?ber 240 Tausend Exponate aus Stein, Eisen, Gold, Silber, Bronze, Bernstein und Keramik. Es waren die Alltagsgegenst?nde: der Schmuck, die Speerspitzen und Spitzen der Pfeile, die M?nzen, die Becher, die Vasen — Beweise aus dem Leben der Menschen verschiedener Epochen, seit dem Neolithikum, der Stein-, Bronze- und Eisernen Zeit, einschlie?lich des R?mischen Reiches und der XVIII-XIX Jahrhunderte. Seit 1925 befindet sich das Museum im Ordenschloss des K?nigsbergs.
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In Kaliningrad wird geplant eine Volksbefragung zum Wiederaufbau des K?nigsschlosses durchzuf?hren.
An der Stelle des Schlosses befindet sich heute ein ?der Platz mit einem l?ngst verwahrlosten Springbrunnen und einer Reihe von kleinen Fertigteil - L?den. ?ber die gesamte Fl?che des Schlossberges erhebt sich das nicht fertig gestellte mehrst?ckige Geb?ude des R?tehauses (Haus des Sowjets), das die Kaliningrader wegen seiner ?hnlichkeit mit einem gigantischen Roboterkopf „Monster“ nennen. Das Einzige, was an das Schloss erinnert, sind die arch?ologischen Grabungen, welche auf seiner ?stlichen Seite durchgef?hrt worden waren. Doch sehen kann man sie nur, wenn man in eine tiefe Grube blickt. Das K?nigsberger Schloss war Anfangs durch die Luftangriffe der englischen Luftwaffe im Sommer 1944 teilweise zerst?rt und ausgebrannt. Im April 1945 litt das Schloss w?hrend des Sturmes der Roten Armee noch mehr. Anfang der 50-er Jahre wurden die Schlossruinen (wie auch viele andere Geb?ude) zum Teil abgerissen, da sie die Sicherheit der Einwohner der Stadt bedrohten: einmal kam es zu einem Zwischenfall, als sich unter einer einst?rzenden Wand eine Stra?enbahn mit ihren Fahrg?sten befand. Der Rest wurde 1967 ungeachtet der Proteste von Kaliningrader K?nstlern und Intellektuellen vollst?ndig abgerissen. Es ging jetzt nicht mehr um die Sicherheit, sondern um die Ideologie. Das Schloss wurde zum „faulen Zahn des Militarismus“ erkl?rt, seine Besch?tzer litten stark unter den kommunistischen M?chten. Wie sonderbar es auch scheinen mag, aber das Schloss lebt sogar noch nach 40 Jahren. Vor allem in den K?pfen der Kaliningrader: alle wissen, wo das Schloss stand und wie es aussah. Das Schloss lebt in Form vieler Souvenirs, auf den Bildern der Kaliningrader K?nstler, in der Ausstattung der Stadt weiter. Kann sich dieses virtuelle Leben vergegenst?ndlichen? Die letzten Jahre schwebt die Idee des Wiederaufbaus des K?nigsberger Schlosses nicht nur in der Luft, sie wird als ein architektonisches Projekt diskutiert. Das Schloss taucht in allen dem Publikum vorgestellten Projekten der Bebauung des ?den Platzes in der Stadtmitte auf. Es ist sogar in einem urbanistischen Komplex aus einer Menge von Wolkenkratzern vorhanden. 2006 gab sogar der damalige Pr?sident der Russischen F?deration, Wladimir Putin, dem Wiederaufbau des Schlosses eine gewisse Unterst?tzung, nachdem man ihn mit einem der Projekte bekannt gemacht hatte. Jedoch sind die Stellungnahmen der K?nstler und Architekten und die Meinungen der Stadteinwohner ganz und gar nicht so identisch. Es gibt sowohl Bef?rworter, wie auch Gegner. Und ihre Argumentation ist absolut unterschiedlich. Es gibt auch politische Gegner. Lokale Kommunisten und einige Veteranen halten den Schlosswiederaufbau f?r ein zersetzendes Vorhaben. Die Kritik des bekannten Architekten Oleg Kopylow, dem Autor des Projektes der russisch-orthodoxen Christus-Erl?ser-Kirche auf dem Siegesplatz tr?gt eine andere Gr??e. - Der Wiederaufbau von Grund auf ist Unsinn. Sogar wenn das K?nigsschloss wiedererrichtet wird, wird nicht der 100-ige Geist dieses Bauwerks erreicht, dieses wird ein Neubau. Und das Schloss selbst… Es ist kein Weltkulturerbe, es bietet keinen bauk?nstlerischen Wert an. Die Bef?rworter des Wiederaufbaus besitzen ihre Begr?ndungen. So meint der Arch?ologe und Professor Wladimir Kulakow, dass das Schloss als Bindeglied zum kulturellen Erbe der Stadtvergangenheit ben?tigt wird. • Die letzten 200 Jahre seines Bestehens war das Schloss die kulturelle Dominante der Stadt, sagt der Professor. Viele Experte meinen, dass der Wiederaufbau «von Grund auf» nicht so ?bel und unannehmbar ist. Und bringen als deutsches Beispiel – das Berliner Stadtschloss, als polnisches - die Burg in Malbork (Marienburg), als litauisches – das Schlo? in Trakai. Diese Geb?ude sind sehr beliebt. Und weder Touristen, noch die Ortseinwohner erhalten einen Kulturschock vom Wissen, dass diese Objekte keine historischen Originale sind. Daf?r sind sie echte Kulturzentren. Aber auch unter den Bef?rwortern des Wiederaufbaus existieren Meinungsverschiedenheiten. Sie betreffen die Form; zur Auswahl stehen drei Varianten: historische Rekonstruktion, Bau einer Kopie mit modernen Baustoffen und Errichtung eines modernen Geb?udes mit Elementen, die an das Schloss erinnern. Die Diskussion zieht sich schon lange hin und kann noch unendlich weiter gehen. Einen Zwischenpunkt zu setzen strebte vor Kurzem der Gouverneur des Kaliningrader Gebietes, Georgij Boos, an. Auf einer Besprechung schlug er vor, ein Referendum in der Stadt durchzuf?hren und gab den Auftrag diese Frage mit der Stadtverwaltung Kaliningrads zu erarbeiten. - Jetzt tritt der Moment ein, zu dem wir f?r uns eine Entscheidung ?ber den Wiederaufbau des K?nigsschlosses treffen m?ssen, sagte Herr Boos. - Eine Entscheidung, mit der wir bereits unmittelbar tiefere Handlungen zur Realisierung dieses Projektes beginnen. Sind die Stadteinwohner dagegen, werden wir nichts wiederaufbauen. Die Willenserkl?rung des Volkes muss im vollen Umfang verwirklicht werden. Jetzt sind die Taten der beiden ?rtlichen Verwaltungszweige gefragt und der Kaliningrader Wahlkommission. Welche Entscheidung werden die Einwohner der Hauptstadt der westlichen russischen Enklave treffen?
Das einzige Gebiet Deutschlands, in dem K?mpfe und Schlachten des Ersten Weltkrieges stattfanden, war Ostpreu?en. Und f?r das heutige Russland ist eben solch ein einziges Territorium das jetzige Kaliningrader Gebiet.
Die Spuren des Krieges finden sich nicht nur in den zerst?rten St?dten und D?rfern... Sie finden sich in den Soldatengr?bern und -friedh?fen und in den unz?hligen Denkm?lern, die ihnen zu Ehren errichtet wurden.
Die Gefallenen wurden auf speziellen Soldatenfriedh?fen, wie auch auf Ehrenpl?tzen der Gemeindefriedh?fe bestattet. Am meisten verbreitet waren Friedh?fe mit einer kleinen Anzahl Bestatteter. Man kann aber auch sehr gro?e finden. So zum Beispiel wurden auf dem Friedhof in G?ritten (Puschkino, Nesterowskij Rayon) 186 deutsche Soldaten und Offiziere und 601 russische Krieger beerdigt. Auf dem Neuen Soldatenfriedhof in K?nigsberg wurden 2 878 Personen bestattet, die zum gr??ten Teil in den Lazaretten gestorben waren.
Auf dem Friedhof in Mattischkehmen (heute Siedlung Sowchoznoje, Nesterowskij Rayon) ruhen 643 deutsche und 438 russische Krieger.
Nach der schweren Schlacht bei Mattischkehmen am 20. August 1914 bargen und beerdigten die russischen Soldaten die Gefallenen am n?chsten Tag auf dem lokalen Friedhof. Hier bestatteten auch die Deutschen ihre Gefallenen und errichteten auf diesem Soldatenfriedhof eine gro?e Gedenkst?tte.
Die Soldaten ruhen in Einzel-, wie auch in Massengr?bern. Sehr oft begr?bt man die im Kampf gefallenen russischen und deutschen Krieger auf einem Soldatenfriedhof. Nebeneinander stehen sie – Kreuze mit der Abbildung des Eisernen Kreuzes und Grabsteine mit den sechs- oder achtzackigen russisch-orthodoxen Kreuzen. Der Tod vers?hnte die ehemaligen Feinde. Deshalb waren die Friedh?fe immer und unabh?ngig davon, wer auf ihnen beigesetzt ist, gepflegt.
Wenn die Daten der meisten deutschen Soldaten und Offiziere bekannt sind (sie sind auf den Grabkreuzen aufgetragen), blieben die russischen Krieger namenslos. Auf ihren Gr?bern stehen vertikale Gedenksteine und Kreuze mit den f?r solche Friedh?fe traditionellen Inschriften: „Hier ruhen 41 unbekannte russische Krieger“, „Hier ruhen 59 unbekannte russische Krieger“. In dieser Inschrift ?ndert sich nur die Anzahl der begrabenen Soldaten…
Auch die deutschen Einwohner verga?en ihre in den Kriegsjahren gefallenen Landsleute nicht. In den D?rfern, die als Kirchengemeinden galten, wurden Denkm?ler verschiedenster Formen und Gr??en aufgestellt, sehr oft mit Angabe der Familiennamen der Gefallenen, sowie der Orte, aus denen sie an die Front gegangen waren. Die Gedenkinschriften auf ihnen sind sehr verschieden: „Treue um Treue“, „Den Gefallenen zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung“, „Unseren gefallenen Helden zur Ehre 1914 – 1918“, „Den Helden die Heimat“, „Unseren Helden 1914 – 1918. Wir werden nie vergessen“, „Sie gaben Euch alles. Ihr Leben, ihr Blut. Sie gaben es hin mit heiligem Mut. – f?r uns“…
Solche Denkm?ler entstanden auch in den St?dten. Dort existieren auch Denkm?ler der Regimentsangeh?rigen f?r ihre gefallenen Kameraden, zum Beispiel in Insterburg (Tchernyachovsk), den gefallenen Ulanen des Zw?lften Litauischen Ulanenregiments, in Gumbinnen (Gusev) - den Ulanen des Achten Ostpreu?ischen Husarenregiments des Grafen Dohnar, in K?nigsberg (Kaliningrad) - den gefallenen Infanteriepionieren des Ersten Ostpreu?ischen Bataillons des F?rsten Radziwill und andere.
In der sowjetischen Zeit war das Verh?ltnis zu den Denkm?lern unterschiedlich.
Im Bagrationowsker Rayon standen sie, bis sich 1972 die Kommission unter Vorsitz des Direktors des Kaliningrader Museums f?r Heimatkunde entschloss sie abzutragen, als der sowjetischen Ideologie nicht entsprechend und widersprechend. Einen traurigen und betr?blichen Anblick bietet ein zerst?rter Soldatenfriedhof in der Siedlung Iljinskoje des Nesterowsker Rayons (Kassuben), wo die Gebeine von 66 russischen und 76 deutschen Soldaten und Offizieren ruhen.
Doch haben wir auch eine Vielzahl von Beispielen eines anderen Verh?ltnisses zu den Kriegsgr?bern und Denkm?lern. Und diese Beispiele werden immer mehr.
Der gro?e Soldatenfriedhof neben dem Dorf Waldaukadel (Siedlung Stepnoje, Nesterowskij Rayon), auf dem 361 Deutsche und 332 Russen begraben sind wurde bereits Anfang der 1970-er Jahre in Ordnung gebracht. Deshalb wurden auf der zentralen Stele ein Stern und eine Inschrift in russischer Sprache eingepr?gt: „Ewiges Gedenken den russischen Soldaten, gefallen im Ersten Weltkrieg 1914–1918“.
Der Einwohner der Siedlung Liwenskoje im Krasnoznamensker Rayon (Gallbrasten), J. N. Solowjew brachte 1985 ein zerfallenes Denkmal in Ordnung, restaurierte es und stellte es an der Stelle wieder auf, wo es fr?her stand, wie die ehemaligen deutschen Dorfeinwohner best?tigen.
In der Siedlung Pogranitschnyj im Bagrationowsker Rayon (Hermsdorf) hat Walentin Bubnow neben seinem Haus ein Kriegerdenkmal des Ersten Weltkrieges wieder aufgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Obelisk mit der entfernten deutschen Inschrift auf dem Ehrengrab der sowjetischen Krieger aufgestellt. Als die sterblichen ?berreste der gefallenen Soldaten in einem gr??eren Massengrab bestattet wurden, wurde der Obelisk stehen gelassen.
1992 fertigte Walentin Bubnow neben seinem Haus den Sockel und verbrachte den Obelisk zu ihm. Auf Marmorplatten wurden Aufschriften in zwei Sprachen – in russischer und deutscher aufgebracht: „Unseren im Weltkrieg 1914 – 1918 Gefallenen zum bleibenden Gedenken. Der Nachwelt als Appell zur Verst?ndigung“.
Eine bedeutende Arbeit (und oft aus eigenen Mitteln) zur Pflege der Friedh?fe und Gr?ber des Ersten Weltkrieges vollbringt der Tchernyachowsker Unternehmer Wladimir Iwanowitsch Janowski. Er besitzt eine gro?e Materialiensammlung ?ber den Ersten Weltkrieg und pr?sentierte sie uns allen 2008 in einem Privatmuseum.
Es entstehen auch neue Denkm?ler. Sehr nah an der Stra?e in der Siedlung Puschkino im Nesterowsker Rayon steht ein pyramidenf?rmiges Denkmal aus Feldsteinen. Die Idee zu seiner Errichtung stammt vom Kirchenvorsteher der Stadt Nesterow und Oberpriester Georgij Biryukov. Er organisierte die notwendigen Bauarbeiten des Mahnmales, welche im Juni 2002 beendet wurden. Eine kurze Zeit k?mpfte im Oktober 1914 der russische Dichter Nikolaj Stepanowitsch Gumiljow in Ostpreu?en. Und nur wenige Stunden verbrachte er in Schillehnen. Doch dieses gab die M?glichkeit eine Erinnerungstafel f?r den russischen Dichter in der heutigen Siedlung Pobedino des Krasnoznamensker Rayons aufstellen zu lassen, deren feierliche Enth?llung am 26. Oktober 2002 stattfand. Und genau seitdem wird im Dorf j?hrlich das Literaturfest „Gumiljowsker Herbst“ veranstaltet. Die Kaliningrader Heimatkundler verga?en nie die Ereignisse des Ersten Weltkrieges. 2004, zum 90. Jahrestag des Kriegsbeginnes organisierten wir eine Ausstellung und veranstalteten die Konferenz f?r Heimatkunde „Ostpreu?en im Ersten Weltkrieg“. Danach unternahmen wir eine Reise zu den Kampfpl?tzen und Bestattungsorten und legten dort Blumen und Kr?nze nieder. Im vorigen Jahr wurde in Gusev eine wissenschaftliche Konferenz, die der Schlacht bei Gumbinnen – Goldap am 20. August 1914 gewidmet war, durchgef?hrt. Gemeinsam mit Kollegen bereiteten wir vor kurzem ein Buch ?ber die erhaltenen Friedh?fe und Denkm?ler des Ersten Weltkrieges auf dem Territorium unseres Gebietes vor. Neue Informationen und jegliche Hilfe nehmen wir dankbar an – immerhin sind dies doch unsere gemeinsame Geschichte und unser gemeinsames Gedenken. In letzter Zeit haben sich auch die Beh?rden in dieses Problem eingeschaltet, die ihr Programm zur Verewigung des Gedenkens an die Gefallenen und zur Wiederherstellung der Soldatengr?ber und Denkm?lern ausarbeiten. Ich hoffe, zusammen erf?llen wir unsere Pflicht. Und was denken Sie? Boris Adamow, Mitglied des Verwaltungsrates des Kaliningrader Vereins f?r Heimatkunde